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Wracktauchen
Wracktauchen übt eine besondere Faszination aus. Aber nicht alles, was man Wracktauchen schimpft, ist auch Wracktauchen!Da kann man sich ein Wracktauch-Brevet kaufen, dümpelt über ein Wrack, aber dies ist kein Wracktauchen.
Wracktauchen ist ähnlich wie Höhlentauchen, man zieht sich eine Decke über den Kopf.
Der Einstieg in ein Wrack bedeutet quasi eine Art Höhlentauchen unter erschwerten Bedingungen. Nicht umsonst wird oft eine Ausbildung im Höhlentauchen als Vorbereitung zum Wracktauchen inklusive eines Penetrieren des Wracks (es wird wirklich so genannt :-) angesehen.
Begibt man sich in das Innere des Schiffes ist der direkte Aufstieg zur Wasseroberfläche unmöglich. In der Regel sinkt die Sicht recht schnell gen Null, da durch Bewegungen und die aufströmenden Luftblasen sowohl Schlamm- und Rostwolken vom Boden als auch von der Decke den Taucher umhüllen. Seesterne und Seenelken rieseln herab und oft bleibt man an scharfkantigen Streben oder Schrottteilen hängen. Ölreste könne die Ausrüstung stark verschmutzen und lediglich Neugier oder eine unsinnige Mutprobe verleitet den Taucher weiter vorzudringen.
Tatsache mag sein dass im Inneren des Wracks sicherlich die Chance auf den Fund von etwas Besonderem wesentlich grösser sind als direkt aussen um das Wrack, jedoch ist die Vorstellung etwas wirklich wertvolles zu finden fast immer illusorisch.
Sollte man mit dem Vorhaben des Eindringens in ein Wrack abtauchen, darf man nur robusteste Ausrüstung verwenden. Die Einstiegsmöglichkeiten sind oft unterschiedlich. Über die Brücke und durch den Maschinenraum kann sich der Taucher manchmal leicht Zugang verschaffen, während schmalere Niedergänge und Torpedorohre oft nur mit abgelegtem Gerät zu betauchen sind. Die Flaschen werden dabei vorgeschoben und es dürfen keine Schläuche abstehen.
Um gut tariert zu sein muss der Bleigurt hierauf abgestimmt sein (lieber Ab- als Auftrieb). Selbstverständlich muss vor dem Einstieg der Karabiner am Ende der Reel-Leine sicher befestigt werden um sicherzustellen, dass der Rückweg durch die Schlammwolken gefunden wird. Lampen am Maskenband oder einem Helm befestigt sorgen dafür das die Hände zum Tasten frei bleiben. Da es sich um einen Solo-Tauchgang handelt (auch wenn immer ein Taucher am Einstieg warten MUSS) versteht es sich dass zwei unabhängige Atemsyteme mitgeführt werden müssen. Zwei Flaschen mit einem Volumen von jeweils vier Litern sind hierfür meiner Meinung nach gut geeignet.
Im Normalfall kann man auf das Ablegen der Ausrüstung verzichten und findet einen Einstieg welcher einen ausreichend grossen Durchmesser aufweist um den Taucher samt Flaschen und Jacket in das Wrack zu lassen. Das Jacket sollte 2 oder noch besser 3-schalig sein um eine Plattfuss zu vermeiden. Ebenso robust muss natürlich der Anzug sein. Die Flaschen können mit den Ventilen nach unten am Jacket oder der Trage montiert werden, oder mit speziellen Schutzbügeln über den Ventilen versehen werden um Beschädigungen zu vermeiden.
Im Wrack ist es dunkel und der Taucher ist einer beklemmenden Atmosphäre ausgesetzt, oft bewegt man sich nun auch in einem Grab. Das Wichtigste ist nun stets einen kühlen Kopf zu bewahren, man ist schliesslich voll und ganz auf die eigenen Fähigkeiten angewiesen. Sobald man ein Unwohlsein bemerkt muss ruhig und zügig der Weg zum Ausgang angetreten werden.
Im Falles eines Verklemmen oder Hängenbleibens gibt es im wahrsten Sinne des Wortes nichts tödlicheres als Hektik oder gar Panik: ERST DENKEN UND DIE LAGE EINSCHÄTZEN, DANN HANDELN!
Jeder Mensch hat seine physiologischen und psychologischen Belastungsgrenzen und es ist alles andere als verwerflich oder gar feige auf gewisse Risiken bei einem Tauchgang zu verzichten. Wer das erste Mal in ein Wrack eindringen will sollte dies unter der Aufsicht von Wracktauchern mit Erfahrungen in diesem Bereich und an einem einfachen Wrack tun (nicht tiefer als max. 25 Meter und an einem grossen Einstieg). Man muss erst über sich herausfinden wie man sich dabei fühlt, Neugier darf dabei nie die Vernunft besiegen (okay, zugegeben am vernünftigsten wäre es aussen am Wrack zu tauchen, aber falls ich nun aus bestimmten Gründen in das Wrack hinein will sollten doch die Sicherheitsaspekte im Vordergrund stehen).
Falls ich weiss, dass ich zu Platzangst neige, sollte ich mich auf das Betauchen von offenen Laderäumen beschränken, alles andere auszuprobieren wäre das Risiko nicht wert. Betauche ich einen senkrechten Abstieg mit recht schmalem Durchmesser so steige ich mit den Füssen und Flossen zuerst ein (z.B. in den Turm eines U-Bootes) falls der Weg unter mir versperrt sein sollte kann ich den Einstieg so schnellstmöglich wieder verlassen.
Andere Aspekte bei dieser Art des Wracktauchens sollen hier ebenfalls nicht unter den Teppich geschoben werden: Erstens zerstöre ich durch das Eindringen in das Wrack möglicherweise Teil vom Bewuchs (Seenelken und Schwämme die vom festen Substrat auf welchem sie sich angesiedelt hatten abgelöst werden und auf den Schlammboden fallen keinen Halt finden und sterben). Dies lässt sich auch mit grösster Vorsicht kaum vermeiden.
Zweitens handelt es sich bei vielen Wracks um Gräber, entweder von Seeleuten und Soldaten oder sogar von Passagieren. Sicherlich gibt es verschiedene Auffassungen über den Grabfrieden, letztlich muss man erkennen, dass dieser auch lediglich dann von offizieller Seite anerkannt wird, wenn das Wrack uninteressant ist (ansonsten wurde und wird hier ja auch beliebig gesprengt und geborgen). Andererseits muss man sich ja an anderen kein Vorbild nehmen und mag aufgrund seines Gewissens Zweifel an der Harmlosikeit des Eindringens in ein "Todeswrack" haben. Aber Klartext: Das ganze Meer-und besonders die Ostsee-ist ein einziges Grab!
Optimal zum Betauchen des Inneren eines Wrack eignet sich auch ein
Kreislaufgerät, da hierdurch die sichtvermiesenden Luftblasen (fast vollständig) entfallen. Da ich hierbei allerdings keine Praxiserfahrung besitze möchte ich darauf nicht weiter eingehen.FAZIT:
Das Eindringen in ein Wrack (weiter als mal eben kurz 5 Meter in Brücke oder Maschinenraum) will gut geplant sein und erfordert Erfahrung im Wracktauchen.
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