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Diverses - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 09.11.2007

Vielleicht bin ich ja zu alt, aber diese Verdenglischung geht mir ganz schön auf den Senkel. Nun geht das auch schon in unserer Verwaltung los und werde mit Begriffen wie Controlling, Service-Center usw. zugemüllt. Amtssprache ist deutsch!
Für jedes und alles gibt es nun eine Projektgruppe, die dann nichtssagende Eckpunkte-Papiere produziert, da werden Zielgespräche mit Mitarbeitern geführt usw.
Alles hochtrabende Sprechblasen, deren Sinn kaum jemand versteht (zumindest ich nicht), mit dem Ziel der Steigerung der Produktivität und Kostenminimierung.
Bloss, wat ist, nun läuft gar nichts mehr...
...da das Personal nun in den tollen Sprechblasen eingesetzt wird und immer weniger Leuts arbeiten.

Komme ich zu größeren Firmen, das Gleiche. Schimpfen die doch immer über die Bürokratie, machen sie sich nun das Leben selber schwer. Dort heißt es dann ISO9000 wat weiß ich Zertifizierung, Controlling. Teure Beratungsfirmen und höchstdotierte Manager unterliegen offenbar einer seltsamen Vermehrung.
Da müssen 1.000 Leute entlassen werden, damit dann wieder ein millionenschwerer Manager bezahlt werden kann um tolle Sprechblasen zu produzieren.

Nachfolgend eine wunderschöne Geschichte, die für mich den Zustand der heutigen Wirtschaft und meiner Verwaltung sehr schön beschreibt.

Quelle: Der Wirtschaftsredakteur (Gefunden im IHK-Heft Oldenburgische Wirtschaft, März 1997)
Von einem Kollegen auf unsere Situation abgewandelt...


Das Wettrennen

oder

Warum der Deutschland-Achter gegen die Japaner verlieren musste.


Vor nicht all zu langer Zeit, verabredete eine deutsche Firma ein jährliches Wettrudern gegen eine japanische Firma.
Die Regatta sollte mit einem Achter auf dem Rhein ausgetragen werden.
Beide Mannschaften trainierten lange und hart, um die höchste Leistungsstufe zu erreichen.

Als der große Tag des Rennens kam, waren beide Mannschaften topfit, doch die Japaner gewannen das Rennen mit einem Vorsprung von 10 Minuten.

Nach dieser Niederlage war das deutsche Team tief betroffen. Die Moral war auf den Tiefpunkt gesunken. Deshalb entschied das obere Management, dass der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden musste. Eine Projektgruppe wurde eingesetzt,  eine Schwachstellenanalyse zu erstellen, um geeignete Abhilfemaßnahmen zu empfehlen.

Nach langen Untersuchungen fand man schließlich heraus, dass bei den Japanern sieben Leute ruderten und ein Mann steuerte, während das deutsche Team ein Mann ruderte und sieben steuerten.

Das obere Management engagierte sofort diese Projektgruppe um ein Eckpunktepapier und ein Grobkonzept über die Änderung der Struktur des deutschen Teams anfertigen zu lassen.
Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kam die Projektgruppe zu dem Schluss, dass zu viele Leute steuerten und nur einer ruderte.

Um einer weiteren Niederlage gegen die Japaner vorzubeugen wurde die Teamstruktur geändert. Es gab jetzt vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute, einen Steuerdirektor und einen Ruderer. Außerdem wurde für den Ruderer ein Controllingsystem eingeführt und diesem Mitarbeitergespräche angeboten um ihn mehr Ansporn zu geben. Außerdem wurde mit ihm eine Zielvereinbarung getroffen. „Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben.“

Im nächsten Jahr gewannen die Japaner mit einem Vorsprung von 20 Minuten.

Das Management entließ den Ruderer wegen schlechter Leistungen, verkaufte die Ruder und stoppte alle Investitionen für ein neues Boot.
Der Projektgruppe wurde ein Lob ausgesprochen, und das eingesparte Geld wurde für die Beförderungen des oberen Managements verwendet.

 

Wirtschaft und Verwaltung