zur « Themenübersicht Blog

Blog - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 27.02.2011

Was ist ein TfP Model Release? Warum überhaupt ein Release/Vertrag?
Unter Model und Fotografen herrschen hier teilweise seltsame Irrtümer und/oder Vorstellungen vor. Darum hierzu einige Tipps und Erklärungen.

Bei einem Shooting werden unterschiedliche Rechte berührt. Der Fotograf hat ein Urheberrecht und das Model ein Recht am eigenen Bild. Hier müssen sich die Partner einigen, wer was mit den Bildern anschließend machen darf.
Praktisch ist es dann, auch gleich die Frage des Honorars zu klären.

Warum ein Vertrag / Release?

Laut gegenwärtiger Rechtsprechung in Deutschland gibt ein Model durch das Posing / bewußte Ablichten für einen Fotografen durch konkludentes Handeln zu erkennen, dass es hier auf sein Recht am eigenen Bild verzichtet. Hintergrund ist der realistische Gedanke, dass ein Model weiß, dass ein Fotograf kaum Bilder einer fremden Person schießt, diese Bilder vielleicht sogar noch bearbeitet und dann auf seinem Rechner versauern lässt. Vielmehr ist es so, dass diese Bilder im Internet und/oder Printmedien und sei es nur zur Eigenwerbung veröffentlicht werden. Da der Fotograf der Urheber der Bilder ist, stehen ihm hier alle Nutzungsmöglichkeiten offen, während das Model nahezu rechtlos ob einer Verwertung da steht. Um sich als Model Rechte einräumen zu lassen und/oder dem Fotografen Rechte zu beschränken, sollte es gerade für Model immer heißen:

...kein Shooting ohne Vertrag!

...mal abgesehen davon, dass ein Vertrag mit klar definierten Zielen für beide Teile Rechtssicherheit bedeutet.

Model Release

Release heißt eigentlich in diesem Zusammenhang nichts anderes als Freigabe. Die Vertragspartner erteilen dem Partner für die Nutzung der Bilder eine Freigabe. Da in diesem Release zumeist auch andere Dinge geregelt werden, sollte man das so nennen, was es eigentlich ist, nämlich Vertrag.
Der Begriff Release wird von manchen Leuten nicht wirklich verstanden, taucht der Begriff dann (oft auch fälschlich) im Text auf, kann dies bei späteren Streitigkeiten vor Gericht zu Problemen führen.

Alleine deshalb sollte man auf den verständlichen Begriff Vertrag zurück greifen.

TfP

TfP steht für Time for Pictures, also Zeit für Bilder...
Bei Hobbyfotografen und Model, teilweise auch unter Profis, wenn sie ohne Kosten Bilder benötigen oder einfach machen lassen wollen ist dies ein geläufiger Begriff. Allerdings mit vielen Irrtümern behaftet...
Hier werden oftmals die unterschiedlichsten Begriffe und/oder Abmachungen in einen Topf geschmissen, die miteinander gar nichts zu tun haben.
Etliche Model oder Fotografen glauben, TfP bedeute, dass die Bilder nur zur Eigenwerbung eingesetzt werden dürften oder überhaupt kein Recht für eine Veröffentlichung beinhalte, oder dass beide Teile gleiche Rechte hätten. Das alles ist ausgemachter Blödsinn!
Entlohnung und Rechte sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe!
Normalerweise würde ein Fotograf oder ein Model eine Gage/Honorar/Bezahlung erhalten. Bei TfP arbeiten beide Teile umsonst, es fließen keine Gagen oder Honorare.

Genau dies bedeutet TfP, eine Vereinbarung, dass für die Erstellung von Bildern kein Honorar fließt, nichts weiter!

Der Vertrag

Fast alle Verträge, die ich bisher gesehen habe, sind für mich eher ein Witz und würden bei Streitigkeiten vor einem Richter eher Lachkrämpfe bei jenem auslösen.
Es gibt Fotografen, die wollen einem Model auferlegen, frisch gewaschen und geschminkt zu erscheinen. Da werden Rassezugehörigkeiten dokumentiert und jede Menge Schwachsinn mehr.
Oft wird versucht, jede Kleinigkeit zu regeln oder Dinge zu regeln, die eh gesetzlich festgeschrieben sind. Meistens entsteht dann ein völlig verqueres sich widersprechendes und rechtlich unhaltbares Konstrukt.
Beispiele:

Weil sich Model nicht auf Schmuddelseiten wiederfinden möchten, wird häufig der Begriff "Pornografie" oder "Erotik" verwendet. Nur, was heißt das? Eindeutige Definitionen gibt es hier nicht, Ergo hält die Formulierung keiner Überprüfung stand.

Die Begriffe "kommerziell" und "gewerblich" sind den meisten Menschen scheinbar auch nicht geläufig. Kommerziell gibt es rechtssicher in DE gar nicht, sondern nur gewerblich. Hiermit ist alles gemeint, was auf eine dauerhafte Gewinnerzielung ausgerichtet ist. Dazu zählt z.B. auch die private Homepage wenn dort Werbebanner geschaltet sind.

Vorsicht auch, wenn lediglich "Eigenwerbung" vereinbart ist und Bilder z.B. bei Facebook eingestellt werden. Facebook reißt sich hier Rechte unter den Nagel um Bilder evtl. zu vermarkten. Nur kann das Model hier mangels Rechte keine Unterlizenzen erteilen! Das kann ein teures Unterfangen werden!

Etliche Fotografen schießen sich u.U. ins Knie, in dem sie sich unnütze Hürden wie Anzahl zu bearbeitender Bilder auferlegen. Was ist bearbeitet, in welcher Form sollen sie bearbeitet werden?
Was heißt Auswahl an Bildern? Was heißt anstößig? Was heißt diskreditierend? Alles Wischiwaschi-Begriffe, die rechtlich bedeutungslos sind!

Der Vertrag sollte außer Rechtevergabe, Kostenübernahmen und Entlohnung nichts weiter beinhalten!

Es sollte auf eine klare Sprache und mit klar definierten Begriffen gearbeitet werden. Auf Regelungen, die eh gesetzlich festgelegt sind, sollte man verzichten.
Da wär z.B. der unnütze Begriff "unwiderruflich", der sich eh aus dem BGB erschließt.
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung müssen die Rechte nicht gleich verteilt sein. Die können auch ungleichmäßig verteilt sein. Es kommt halt drauf an, wer mehr von seinem Können oder auch Einsatz einbringt.
Es ist alles frei aushandelbar, man muss nur darauf achten, dass ein Partner, zumeist das Model, nicht über den Tisch gezogen wird.

Als einfachste Form der Rechtevergabe sollte immer der Begriff "Eigenwerbung" Verwendung finden! Dies deckt die meisten Situationen ab, auch die, die in den Bereich gewerblich fallen könnten. Beispiel: Model bewirbt sich bei einer Agentur und übersendet Bilder oder stellt sie auf ihrer gewerblichen Model-Homepage ein. Ebenfalls der Hobbyknipser, der plötzlich Profi wird und Bilder auf seiner Homepage oder Portalen einstellen möchte.

Vorsicht hier aber bei Facebook & Co.! Dies wird nicht abgedeckt, da Facebook hier Rechte kassieren möchte, die gar nicht vergeben werden können. Das kann für ein Model richtig teuer werden!

Die Honorarfrage ist klar, das Model erhält Bilder als Gage und der Fotograf "darf" mit dem Model.
Trotzdem können hier auch Kostenfragen geklärt werden, es ist ja möglich, dass ein Studio angemietet werden muss, oder dass einer der Partner unverhältnismäßige Fahrtkosten hat. Auch dies ist dann immer noch "TfP", da ja für die Tätigkeit selbst kein Geld fließt.

Wer gewerblich modelt oder fotografiert, sollte m.M. auch das Geld für einen fachkundigen Anwalt haben, der einen Vertrag individuell ausarbeitet. Vorsorgen ist besser als Bohren... ;-)

 

TfP Model Release