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Reisen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 30.08.2007

Tauchexpedition mit der Tutu1 2002


Tauchplatzbeschreibungen»

Hinweis:

Josef hat das Schiff mittlerweile verkauft. Er arbeitet nun mit MY Sharky zusammen. Lese dazu meinen Bericht:
Safariboot_MY_Sharky.html
 

Josef Blumenschein, Eigner der Tutu1 hatte die Idee, mit ein paar ausgesuchten Leuten die Riffe südlich der St. Johns zu betauchen.
Gerhard Strobel, GF des Reiseveranstalters DTTI in Nürnberg übernahm die Organisation. Hier hat er ziemlich auf die Brause gehauen, ob der Anforderungen...

Schon im September 01 rührte Gerhard die Werbetrommel, doch erst Anfang März stand die Expedition fest. Expedition ist wohl nicht der rechte Ausdruck ;-)
Denn wir hatten an Bord den gleichen Service wie auf Safaris üblich (hier besonders zu erwähnen das an Körperverletzung grenzende gute Essen), jedoch mit dem Unterschied, dass jeder tauchen konnte wie er wollte und wir auch ein paar Riffe angefahren haben, die wohl tatsächlich noch nicht betaucht worden sind.
Wir waren eher ein Taucherstammtisch, der mal ne Runde tauchen geht ;-)))
Neben Josef und Crew waren wir eine Gruppe von 8 Männern und vier Frauen.
Am 6.8. am Spätnachmittag wurden wir dann von Gerhard am Flughafen Hurghada eingesammelt.
Nach einem Erfrischungsbier ging es dann mit dem Bus nach Marsa Alam, wo das Schiff auf uns wartete.

Das Schiff:
Tutu1Die Tutu1 ist ein 26m langes und ca. 6,5m breites Safariboot aus Holz ägyptischer Bauart mit mittlerem Komfort.

Alle erforderlich nautischen Geräte, Zodiak, 2 Rettungsinseln, 2 Kompressoren, 2 Generatoren, 2 Maschinen mit je 380 PS

Reisegeschwindigkeit: ca. 11 Kn, 6 Doppelkabinen, Entsalzungsanlage mit ca. 5t süsswasser täglich, Aircon im Salon

Ausreichend Flaschen mit 12l Alu oder 15l Stahl, Leihausrüstung, 50l O2


Um 2:00 Uhr Morgens erreichten wir unser Ziel, hier wurden wir erst einmal mit einem mächtigen Essen abgefüttert. Das war auch nicht was für jeden, ich sag ja, Körperverletzung...

Nach einem kleinen Schläfchen stachen wir dann in See. Natürlich wollten wir nicht mit einem Gewaltmarsch direkt zu den St. John`s, sondern auf dem Hinweg einige bekannte Plätze betauchen.

Das Rote Meer gehört garantiert nicht zu den Tauch-Spots der Welt. Manchmal ist es erschreckend. Ich denke mal, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Klar, die Taucher machen auch so einiges kaputt, aber vor einigen Jahren hat bis Marsa Alam die Dornenkrone gewütet und der rauhe Seegang richtet auch so einiges an.
Es gibt nur wenige Riffe, wo der Bewuchs auch jenseits von 30m noch halbwegs prachtvoll erscheint.

Nach 3 Tagen erreichten wir die St. John`s. Hier wurde eine deutliche Besserung der Riffe sichtbar. Auffällig sind, von Ausnahmen abgesehen, Schäden in tieferen Bereichen. Bis 15m sind sie nahezu intakt.
Dies ist eher eine biologische Einlassung, denn wenn auch nicht alles lebt, wie dies vielleicht jemand aus z.B. Indonesien her kennt, so ist die UW-Landschaft zum Teil einfach grandios. Höhlen, Steilwände, Ergs...

SchlafdeckAm 6. Tag erreichten wir ein Riff weiter im Süden, welches uns Rätsel aufgab. Hier hat garantiert noch niemand getaucht ;-)
Es sah aus, als wenn hier die Amis einen Bombenangriff geflogen hätten. Einfach nur Tot, kein Fisch, keine lebende Koralle. Es sah aus, als wenn der Zustand schon Jahre so wäre. Aber wieso ist nichts nachgewachsen? Woher kommen die seltsamen Trichter? Das Riff muss mal grossartig ausgesehen haben. Nur ein riesiger Riesenzacki zog einsam seine Patrouille.

Nun, wir sind die unterschiedlichsten Menschen und dann drei Wochen auf See? So verschieden wir sind, aber wir sind ein richtiges Team und verstehen uns prächtig.
Alle? Na ja, nicht alle...
Ein "Problemkind" hatten wir an Bord. Aber nach einem Abend mit etlichen Bieren konnten wir seine Hormone ein wenig beruhigen.

Fisch ausnehmen1 1/2 Wochen sind nun rum, allmählich fangen wir ganz schön an, herumzualbern, die Stimmung ist prächtig. Natürlich haben da wohl die neuen (oder ist es nur eines..) Riffe beigetragen, die ich zu den Top-Spots des Roten Meeres zähle. Aber wahrscheinlich ist es eher der Stickstoff.
3 -4 Tg am Tag mit einer gesamtverweildauer von 3 - 5 Stunden je Tag im Wasser, das kann nicht ohne Folgen bleiben...

Ich mag nicht überheblich klingen, aber es ist schon angenehm, nicht auf Anfänger oder Urlaubstaucher Rücksicht nehmen zu müssen. Keine nervenden Guides, man geht tauchen wenn/wann man mag, ob solo oder zu zweit. Tiefen, dass Andere meinen, man hätte den Compi auf Fuss umgestellt, Deko, keinen Menschen interessiert das hier. Kein Gejammer über Seegang.

Leider hatten wir auch "Verluste" hinzunehmen. Henning, dessen Ohr streikte, oder Ralf, dessen Entzündung des Zehs auch auf den Fuss überging. Dazu noch ein Jacket und ein geplatzer Hochdruckschlauch.

Hier, kurz vor dem Sudan, setzt uns das Wetter allmählich doch zu. Feuchter als in den Tropen, und das bei 350. Nachts findet man kaum Schlaf.
Irgend jemand scheint ein Aphrodisiakum ins Meer geschüttet zu haben...
Die Fische spielen völlig verrückt. Hier Kuscheln Napoleons mit Muränen oder Barschen. Herden von Kugelfischen ziehen umher...
Tja, und zwei unserer Frauen wären hier wohl besser nicht tauchen gegangen, sie müssen etwas von dem Wasser geschluckt haben ;-)))
Augenscheinlich war hier tatsächlich noch kein Taucher, manche Fische sind ganz schön neugierig. Bei dem einen Barakuda war mir dies nicht ganz geheuer.
Nun ist allmählich "Heimreise" angesagt, Josef möchte uns noch ein paar Spots bei den St. John`s zeigen. Nun wird es auch allmählich wieder "kühler". Kaum zu glauben, was ein paar Kilometer ausmachen. 4 - 6 Bf, Wellenhöhen bis 2m. Endlich wieder normales Wetter, die Schwitzerei hat endlich ein Ende.

SonnenuntergangHier bei den St. John`s habe ich dann auch was für mich Neues entdeckt...
Da mache ich einen Tg über 1,6 O2 Partialdruck, da entdecke ich eine Wand in der es recht rot leuchtet. Die Wand sah einfach nur geil aus mit ihrem fluoreszierenden rot, fast wie im Traum. Aber rot, in dieser Tiefe? Ich glaubte an einen beginnenden Tiefenrausch und machte, dass ich nach oben kam.
Am nächsten Tag entdeckte ich am "Eden Reef" wieder eine solche Wand. Nun war mir klar, kein Tiefenrausch.
Eine mögliche Erklärung: Schwämme (Bohrschwamm) die Schwermetalle speichern. Diese Schwämme sind nur mm dick auf der Korallenoberfläche, bohren sich in diese hinein und saugen sie aus.
Die Zeit ist verflogen wie im Fluge. Schon stehen wir wieder in Marsa Alam am Pier und warten auf den Bus.

Josef wird in der nächsten Saison diese Süd-Tour für 10 - 14 Tages Törns mit in sein Programm aufnehmen. Eines ist gewiss, die Tutu1 sieht mich wieder!
Die Anfahrt zu den St. John`s oder südlicher lohnt sich allemal, die Spots dort bieten auch dem verwöhnten Taucher etwas.

Tauchplätze bei Marsa Alam, St. John`s und Süd-Ägypten

Etwas Allgemeines habe ich ja schon im Bericht erwähnt...
Ich gebe hier den Zustand in der Wertung 1 (super) bis 6 (mies) an. Ich bemühe mich, möglichst im Rahmen meiner Kenntnisse objektiv zu sein. Ich orientiere mich dabei an die wirklich intakten Riffe, die ich bisher gesehen habe.

 

Vor Marsa Alam, Süd

Samadai: ***(*)
Nordseite:
Ganz nettes Aussenriff mit den üblichen Fischen und Korallen mit deutlichen Schäden.
Zustand:3

Südseite
Dort wandert man in einer Tiefe von nicht mehr als 18m von Erg zu Erg. Sehr viel Leben
Zustand: 2-3

Südostseite:
Hier ist das Riff am schönsten. Sehr schöne Formationen.
Zustand: 2-3

Shab Sharm: ***
Am Aussenriff an der Nordseite ca. 200m vor Ende des Riffs taucht man ab in eine Furche. Dort findet man eine Höhle vor, die leicht auch von mehreren Personen zu betauchen ist. Der Eingang beginnt bei ca. 40m, der Grund bei ca. 50m.
Die "Tiefe" beträgt ca. 50m. Anschliessend taucht man am Riff entlang südwärts auf der Südseite aus.
Zustand: 3-4

Malachi: *****
Ein kleines Riff mit grandioser Landschaft in dem man durch tauchen kann und durchlöchert ist wie ein schweizer Käse. Die Lichtspiele in den Gängen sind grandios!
Zustand: 2

 

Zwischen Marsa Alam und St. John`s

 

Dolphin Reef: *
Forget it...
Aber...
Hier kann man auf der Südseite mit Delphinen schnorcheln! Aber behandelt die Tiere mit Respekt, macht keinen Lärm, verhaltet euch ruhig und platscht nicht mit den Flossen, sonst hauen sie ab. Eigentlich kommen sie so von alleine.
Zustand: 4-5

Horseshoe Reef: *
Forget it...
Zustand: 4-5

Sha`ab Claudia: *****
Ähnlich wie Malachi, nur noch grandioser. Hier sind regelrechte Schluchten. In einer Höhle schlafen Tagsüber 3 Baby-Haie.

St. John`s

Eden Reef: *****
Ein Riff mit ca. 150 x 100m.

Nordseite:
Steil abfallend bis auf >70m. Ziemlich tot. Nur im oberen Bereich halbwegs intakt.

Südostseite:
Hier stehen auf sandigem Grund jede Menge Ergs. Hier findet man das reinste Aquarium vor. Eine beeindruckende Landschaft.
Am angrenzenden DropOff findet man jenseits von mind. 50m diese beeindruckenden rot fluoreszierenden Schwämme vor.
Zustand: 1-3

Büffelkopf Riff: ****
Nordseite:
DropOff bis auf 150-170m. Ziemlich zerklüftet, dort wo Sand ist, stehen dann grosse Korallenblöcke oder Ergs herum.

Ostseite:
Der Übergang zur Südseite gestaltet sich noch zerklüfteter mit grossen Korallenblöcken. Tiefe um 18m.

Südseite:
Wie vorher, nur seichter, m 10m.
Mit Glück sieht man dann auch mal einen der Viecher, die dem Riff den Namen gegeben haben.
Hier ist wohl einer der wenigen Plätze in Ägypten, wo sich ein Nacht-Tg lohnt!
Zustand: 2-3

Erg Gota: *****
Nahezu rundes Riff mit ca. 150m Durchmesser. Der Rand ist sehr zerklüftet, dann bis auf ca. 100m steil abfallend.
Hier sieht man riesige Fächerkorallen, grosse Büsche an "schwarzen Korallen", sehr viel Fisch, insbesondere Haie. Mit Glück bekommt man auch einen Hammerhai zu sehen.
Zustand: 2-3

Habili Djafa: *****
Kleines Riff, Durchmesser ca. 20m mit einem DropOff ins Nirwana. Reicht bis ca. 3m unter der Wasseroberfläche.
Schwarze Korallen in Hülle und Fülle. Der Bewuchs reicht bis in Tiefen um 60m. Fischsuppe ohne gleichen. Natürlich sind hier dann auch die Jäger zu sehen. Haie, Barakudas...
Insgesamt scheinen die Fische hier etwas grösser zu sein.
Betaucht wird das Riff ganz einfach. Abtauchen und dann steigend umrunden.
Zustand: 2-3

El Barani: *****
Ähnlich wie Erg Gota, nur länglich.
Auch hier grosse Chance auf Grossfisch wie Hammerhaie. Südseite zerklüftet mit vielen "Schluchten". Auf der NW-Seite riesiges Fäscherkorallenfeld bis in Tiefen um 70m. Auch hier, sehr Fischreich.
Zustand: 1-2

Kebir: ****
Nordseite Wetterbedingt nicht betaucht.

Südseite:
Ab ca. 7-10m stark versandet, DropOff bis auf ca. 60m. Sehr Fischreich, in aller Regel Haie anzutreffen. An der SO-Spitze Höhle auf 7m. Sehr gut zu durchtauchen mit 2. Ausgang. Hier führen weitere Gänge in das Riff hinein.
Zustand: 3-4

Abu Bassala: ***(*)
Zerklüftet abfallend auf ca. 25m, dann sandig auf >50m mit vereinzelten Korallenblöcken. Starke Beschädigungen sind hier wohl auf den Seegang zurückzuführen.

Südseite:
Das Riff ist stark versandet und abgestorben. Wild zerklüftet mit Überhängen, Gängen und Höhlen ins Riff. Die abgestorbenen Korallenblöcke üben einen surrealistischen Reiz aus. Wer sich Zeit nimmt, nicht tiefer als 7m taucht und seine Augen auf Makro stellt, dem ist die Südseite durchaus vier Sterne wert.
Zustand: 3-5

Danger Reef: ****
Ovales Riff ca. 100 x 150m. Das Riff fällt steil bis auf 15 - 20m ab, dann sandig mit Blöcken abfallend auf >30 - 40m.
NO-Seite total versandet. NW nach Süd ist die beste Route. Sehr zerklüftet, tolle Landschaft. Auf der Südseite Höhlen ins Innere des Riffs. Beste Tiefe um 7 - 12m.

Der äusserste Süden

Zwischen St. John`s und Mirear Reef: 23.08N 35.48E **
Lohnenswert ist alleine der Fischreichtum
Zustand: 3-5

Mirear Reef: ***(*)
Ca. 20 sm langes Saumriff vom Festland gen Osten ins Meer hineinziehend. Nach Norden bis auf ca. 15 - 20m stark zerklüftet steil abfallend, dann sandig mit einzelnen Blöcken bis auf ???
Obwohl stark beschädigt, hat es doch einen eigenen Reiz.

Südseite:
Auf Grund schlechter Sicht und Beschädigungen nicht betauchbar.

23.12N 35.46E *
Totaler Schrott! Hier lebt nichts mehr! Ein Rätsel...

23.08N 49.90E: ***(*)
Abfallend bis auf ca. 20m, dann sandig abfallend bis auf ca. 35m. Ein Erg im NW. Hier ist die Südseite der schönere Teil. Traumhaft schöner oberer Teil und Riffdach.
Zustand: 1-5

Abu Fendera (Ost): ****
Abfallend bis auf ca. 30m, dann sandig bis auf ca. 60m.

Nordseite:
Durch die zerklüftete Riffkante und einzelnen Ergs sehr schöne Landschaft.

Südseite
Schlechte Sicht und seicht (ca. 10m), jedoch mit schöner Riffkante.
Zustand: 3

Stonehenge: *****
Ca. 500m südöstlich von Abu Fendera. Langliches Riff in NW - SO Richtung bestehend aus einzelnen grossen Ergs.
Die einzelnen Ergs sind abfallend auf ca. 20 - 25m, dann sandig mit Blöcken auf >60m. Das Riffdach ist zerklüftet mit Schluchten.
An den ersten NW-Erg schaffen vorgelagerte "Monolithen" einen regelrechten Irrgarten, daher unser Name. Für mich ein absoluter Top Spot!
Zustand: 1-3

Habili al Saed (nach dem Entdecker) 22.52N 36.19E: ****(*)
Um einem Riff mit ca. 20m Durchmesser gruppieren sich weitere Zuckerhutartige Ergs. Die Riffe fallen sehr steil bis auf über 40 Meter ab. Auf der NO-Seite des Hauptriffs ungewöhnlicher Fischreichtum. Bewuchs bis auf ca. 25m.
Das Riffdach auf ca. 3m ist von beeindruckender Schönheit.
Zustand: 1-4

Habili Abdullah 22.51N 36.19E: ****(*)
Kleines Riff mit ca. 10m Durchmesser, steil abfallend bis auf >45m. Schöner Bewuchs bis auf 40m. Riesige Gorgonien und Weichkorallen.
Zustand: 1-2

 

 

Tauchexpedition Aegypten