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Tauchen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 04.09.2006

Regeln machen durchaus Sinn, verleiten sie doch zumeist zu sicheren Verhaltensmustern, ohne dass man hierüber nachdenken muss.
Sie können aber allenfalls Teilbereiche abdecken. Bei genauer Kenntnis der Materie erkennen wir aber schnell, dass sie lediglich eine Risikominimierung darstellen, die auch die Unwissenden und Unfähigen in gewisser Weise schützt.
Auf dieser Grundlage habe ich einmal ein paar oft gehörte Taucherregeln hinterfragt. Das sture Befolgen der Regeln kann unter Umständen genau so gefährlich sein, wie deren Nichtbeachtung.

- Tauche nie alleine -

Was wird uns diese Regel immer eingehämmert!
In der Praxis sieht es doch so aus, irgendwer verabredet sich zum Tauchen, oder im Urlaub werden auf den Basen die Leute einander zugeteilt. Es wird eine nicht vorhandene Sicherheit suggeriert. Es werden dann Tauchgänge unternommen, die jeder Taucher für sich nicht unternehmen würde, wenn aber ein Partner dabei ist, doch.
Kommt es zu einem Zwischenfall, ist der einzelne, oder zumindest einer der Taucher überfordert.
Sicherheit ist nur gegeben, wenn man den Tauchgang so plant, als müsste man ihn alleine durchführen. Erst wenn alle Tauchpartner einer Gruppe so verfahren und dann den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, erziehlt man einen Sicherheitsgewinn. Ausbilder und erfahrene Taucher sind in der Regel also fast immerSolotaucher!
Um einen Sicherheitsgewinn beim Buddy-System zu erreichen, muss die Regel erweitert werden:

- Tauche nie alleine, aber plane den Tauchgang so, als wenn du ihn alleine machen müsstest! -

 

- Tauche nur innerhalb der Nullzeit -

Diese Regel stellt in der Tat nicht nur aus gesundheitlichen Gründen einen Sicherheitsgewinn dar. Denn mit jeder Deko-Stufe zieht man sich eine künstliche Decke über den Kopf.
Die Nullzeit wird, gerade im Zeitalter der Computer, oftmals als absoluter Wert angesehen. Manche Zeitgenossen betrachten die Anzeige ihres Computers wie eine Tachonadel.
Man vergisst nur all zu schnell, dass die Nullzeit kein absoluter Wert ist!
Sättigung und Entsättigung ist ein kontinuierlicher Prozess, der von vielen Faktoren abhängt. Entscheidend ist hier die Druckabnahme/ Zeiteinheit. Die Gewebe haben eine gewisse "Überdrucktolerenz". Ihnen muss genügend Zeit gegeben werden, den überschüssigen Stickstoff wieder los zu werden.
Nullzeit kann bestenfalls den Zustand beschreiben wieder gefahrlos aufzutauchen unter Berücksichtigung bestimmter Regeln.
Jeder Tauchgang >10m ist letztendlich ein Deko-Tauchgang!
Dazu kommen noch individuelle Unterschiede, Arbeit, Dehydratation...
Das Thema ist für diesen kleinen Artikel zu vielschichtig, schaut mal als Tipp bei www.peter-rachow.de vorbei!
Grundsätzlich kann man sagen, jeder Tg tiefer als 10m ist ein Deko-Tauchgang!
Die Regel sollte also besser heissen:

- Tauche nur innerhalb der Nullzeit unter Berücksichtigung der weiteren Faktoren -

 

- Plane deinen Tauchgang und halte dich an die Planung -

iesen Satz habe ich schon oft gehört bzw. gelesen...
Diese Regel ist der absolte Blödsinn! Weiss ich im voraus, welche Verhältnisse unter Wasser herrschen? Plötzlich herrscht starke Strömung vor, mir wird plötzlich unwohl, es tritt ein techn. Defekt auf...
Geplante Vorgaben wie Tiefe, Dauer, Strecke...
...können nur Maximalwerte darstellen, die den tatsächlichen Verhältnissen anzupassen sind.
Die Regel ist also nur mit diesen Zusatz richtig:

- ...aber prüfe in jedem Augenblick, ob die Planung noch durchführbar ist! -

 

- Zusätzlich zum Computer muss immer noch Uhr, Tiefenmesser und Tabelle dabei sein -

Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines heutigen Tauchcomputers ist wohl mehr als unwahrscheinlich, na gut, es kommt schon mal vor, vor allem bei luftintegrierten Computern.
Aber ich habe ja noch einen Tauchpartner, aber auch wenn ich den nicht habe...
Den möchte ich sehen, der bei einem Computerausfall seinen weiteren Tauchgang mit Tabelle berechnen kann ;-)
Bei einem Ausfall halte ich mich einfach an meinen Buddy. Bin ich alleine unterwegs, leite ich grundsätzlich nach Verbrauch von ca. 25% des Gesamtluftvorrates den Aufstieg ein, so habe ich immer genügend Reserven den Tg sicher zu beenden. Bei der Aufstiegsgeschwindigkeit halte ich mich an die kleinsten Bläschen und tauche ganz konservativ aus, bis die Pulle "auf Reserve" geht.
Einen Tiefenmesser und ein Fini sollte man immer dabei haben. An Hand meines Luftvorrates kann ich dann einen Tauchgang immer sicher beenden, dabei ist es völlig unerheblich, wie tief ich tauche.
Problematischer können lange flache Tg im Bereich um 20m werden, hier leite ich nach spätestens 50% Verbrauch den Aufstieg in seichte Gefilde ein.
Luftintegrierte Rechner fallen schon mal aus, ich persönlich halte sie eh nur für Spielerei, die Angewohnheit vieler Zeitgenossen, auf ein Fini zu verzichten, halte ich für gefährlich.
Wer sich in grössere Tiefen begeben will, "echte" Dekotauchgänge u.s.w. unternimmt, sorgt natürlich für Redundanz und auch Planung.
Ich würde also eher sagen:

- ... ein Finimeter und Tiefenmesser -

 

Taucherregeln, richtig oder falsch