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Tauchen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 26.02.2008

Nitrox 4 free...
...liest man allenthalben bei Tauchbasen zur angeblichen Erhöhung der Sicherheit.
Eine IMHO gefährliche Fehleinschätzung!

Tauchen mit Nitrox kommt mehr und mehr in Mode, wird von Tauchbasen, Orgs und Tauchscheinverkäufern hoch gelobt , viele Tauchbasen bieten Nitrox 4 free und Nitrox-Kurse für ein Spottgeld an.
Vertraut Ihr den Sprüchen der Tauchscheinverkäufer und Basen, drohen euch u.U. Lungenschädigungen oder zumindest gesundheitliche Einschränkungen.

Was ist Nitrox?
(Für den, der sich für Nitrox zu interessieren beginnt)

NITROX ist der Name für ein Gasgemisch, bestehend aus:
- Stickstoff  (NITRogen, chemisches Zeichen N2)
- Sauerstoff (OXygen, chemisches Zeichen O2).

Also unser normales Luftgemisch ist also auch nichts Anderes als Nitrox ;-)
Richtig...
...aber in der Taucherei bezeichnet man damit jedoch Gemische mit einem höheren Sauerstoff-Anteil als 20,9 % bei gleichzeitigem Absenken des Stickstoffgehaltes.
Der Vorteil liegt darin, dass der für die Dekompressions-Berechnungen und Tiefenrauch (Stickstoffnarkose) wichtige Stickstoffanteil verringert ist. Je weniger Stickstoff, desto weniger Dekompression ist notwendig (solange nur Stickstoff und Sauerstoff im Spiel ist).

Die Vorteile liegen auf der Hand:
- verlängerte Nullzeiten
- verringerte Gefahr einer Stickstoffnarkose
- Sicherheitsgewinn bei Normal-Luft Tauchprofilen


Nitrox beinhaltet aber auch Gefahren!

ZNS-Vergiftung durch den Paul Bert Effekt:
Bei Sauerstoff-Teildrücken oberhalb ca. 1,6 bar kann es innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer Vergiftung des zentralen Nervensystems (ZNS-Vergiftung) kommen, welches zu Krampfanfällen führt, ähnlich einer Epilepsie. Man verliert jegliche Steuerungsfähigkeit und ist ohne fremde Hilfe rettungslos verloren! Je höher der Sauerstoff-Partialdruck, desto kürzer ist die Zeitspanne bis dieser Effekt eintreten kann.
Um diese Gefahren zu minimieren, werden die Grenzen (zulässige Tauchtiefen bei entsprechendem Gemisch = MOD) laufend herab gesetzt: PADI z.Zt. 1,2 PO2, VDST 1,4 PO2.
In der Praxis stellt dies für einen ausgebildeten Taucher kaum eine Gefahr dar. Wichtiger ist der...

Lungenschädigung durch den Lorraine Smith Effekt:
Wird Sauerstoff unter einem hohen Partialdruck längere Zeit aufgenommen, kommt es in der Folge zu einer Veränderung im Lungengewebe. Aus der Dauereinwirkung des Sauerstoffs resultiert eine Schwellung der Alveolen (die Enden der Luftröhrenäste in der Lunge).
In der Folge kommt es zu einem reduzierten Gasaustausch und damit zu einer Verringerung der Vitalkapazität der Lunge,  zu Übelkeit, Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit, was besonders bei körperlicher Anstrengung beobachtbar ist, auch Lungenödeme sind möglich.

Genau dies ist es, was für mich Nitrox bei unsachgemäßer Handhabung gefährlich macht!

Tauchbasen, Tauchscheinverkäufer und Orgs machen zunehmend Glauben, dass Stickstoff böse und Nitrox gut und ein Allheilmittel sei. Niemand weist wirklich auf die Gefahren gerade in Tauchurlauben hin! Ich halte das für Verantwortungslos!
Es geht nicht um ein paar Nitrox-Tauchgänge, sondern um den dauernden Nitrox-Einsatz in einem Tauchurlaub. Man stelle sich einen Tauchurlaub von zwei Wochen mit 2 Tg/Tag mit einer Tauchzeit von ca. 1 Stunde/Tg vor, dies sind gut 28 Stunden! Abgesehen davon, dass etliche Taucher auch 3 Tg/Tag durchführen oder deutlich längere Tauchzeiten haben.
Für mich kommt da der Lorraine Smith Effekt, insbesondere wenn man die MOD ausnutzt schon zum tragen. Aber was ist meine Meinung...
Leider habe ich die Fundstelle nicht mehr zur Hand, es existiert hier eine Studie. Hier wurden Taucher nach zwei Wochen Tauchurlaub mit aussschließlichem Tauchen mit Nitrox untersucht. Danach sollen bei einem großen Teil der Taucher teils irreparable Schädigungen an der Lunge aufgetreten sein.

Und warum wird Nitrox gerade von Tauchbasen so hoch gelobt?
Ein Basenbetreiber erklärte es mir mal auf einfache Weise (war auch meine Vermutung): Man hält sich die lästigen Tiefendiskussionen vom Leibe...

Ich möchte Nitrox nicht verteufeln, ich tauche ja selber damit. Man sollte aber den Einsatz gerade in Tauchurlauben ganz bewußt wählen und die Sauerstoff-Einwirkzeit mit hohen Partialdrücken möglichst kurz halten!
Ich sehe den größten Vorteil bei längeren Tauchgängen in Tiefen um 25 - 40m, wo man sich länger aufhalten möchte, z.B. bei Wracktauchgängen.
Bei flachen Tauchgängen oder nur kurzen Abstiegen in Tiefen >30m sollte man in Tauchurlauben lieber zur normalen Atemluft greifen.
Nitrox ist kein Allheilmittel, den Dauereinsatz von Nitrox in Tauchurlauben halte ich für gefährlich!

Ich kann Nitrox-Interessierten nur anraten, sich auch außerhalb eines Kurses umfangreich zu informieren, nicht alle Sprüche der Tauchscheinverkäufer zu glauben und...
...für sich die Vor- und Nachteile des Tauchens mit Nitrox abwägen.

Zum Schluß das Aufräumen einiger Vorurteile:

Nitrox verhindert den Tiefenrausch (Stickstoffnarkose):
Es gibt Menschen, die erwischt es unter bestimmten Umständen schon bei ca. 30m, dies entspricht bei einem 32`er Gemisch einer Tiefe (EAD) von ca. 34m.
Verhindert ist falsch, bestenfalls vermindert die Gefahr!

Mit Nitrox hat man einen geringeren Luftverbrauch:
Der menschliche Körper nimmt nur eine geringe Menge Sauerstoff pro Atemzyklus auf. Der unverbrauchte Sauerstoff wird ausgeatmet und geht dem Taucher verloren.

Nach einem Nitrox Tauchgang ist man weniger müde:
Hiermit hat eine Studie aus den USA aufgeräumt (Fundstelle verbaselt).
Müdigkeit nach einem Tauchgang zeugt von Tauchfehlern und ist oft als eine Vorstufe oder Symptom für eine DCS zu werten.

Es gibt tatsächlich noch Leute, die glauben, dass mit Nitrox tiefer getaucht werden kann:
Das Gegenteil ist der Fall!

Das Tauchen mit Nitrox ist sicher bezüglich DCS:
Nur dann, wenn man Luft-Profile taucht, ansonsten ist der Vorteil dahin. Aber auch nur dann, wenn keine weiteren Risiken wie Dehydratation, Rauchen usw. vorhanden sind.

 

Tauchen mit Nitrox