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Tauchen - Sparte Praxis
Tauchausbildung
Eingetragen am 04.09.2006
Neulich, in Hemmoor...
Da fragt mich ein Taucher, warum denn dort zwei getrennt absperrbare Ventile vonnöten seien, schliesslich besitze er doch den neuen, absolut vereisungssicheren Automaten von HyperTecBla, der doch nach der SuperAntiBlubb-Norm getestet wurde.
Da erzählt im Frühjahr ein Typ nach durchzechter Nacht beim Anrödeln in seinem "Nassi", dass er jetzt endlich mal die Treppen bestaunen und seinen "Compi" mal mit ner kleinen Deko austesten möchte. Wofür hat das Teil denn so viel Geld gekostet, wenn man es nicht ausnutzt.
Seine bibbernde Tauchpartnerin schaut aus der Wäsche, als wenn man sie zur Schlachtbank führen wollte.
Da schwärmte jemand, wie toll doch seine Ausbildung gewesen sei. Die Tauchgänge fanden nur in kleinen Gruppen mit max. sechs Leuten statt, alle waren so nett und freundlich und man hat unheimlich viel Spass gehabt. Übungen, von denen man gehört hat, wie z.B. Wechselatmung und so brauchte man erst gar nicht machen, da sowas heute sowieso nicht mehr gebraucht werden würde.
Die Beispiele könnte man beliebig fortsetzen.
Die Ausbildung hat scheinbar die quantitative Entwicklung im Tauchsport qualitativ mitvollzogen.
Anfänger sind heute in der Lage, an Stellen zu tauchen, die früher nur erfahrenen Tauchern vorbehalten waren.
Taucher sind extrem kälteunempfindlich geworden. Sie sind in der Lage, mehrmals hintereinander in 40 kaltes Wasser in Tiefen jenseits von 30m vorzudringen und dies teilweise mit Deko.
Die Berherrschung eines Trockies stellt heute nach ein paar Tauchgängen kein Problem mehr dar.
Sie sind heute in der Lage, nach vielleicht 20 Tg ein Fortgeschrittenen-Brevet zu besitzen um dann evtl. mit ca. 60 Tg sogar TL zu werden.
Verantwortlich für diesen Missstand sind die Orgs, die im Kampf um ihre Schäfchen und des Mammons willen jeden durchziehen. Animations- und Talkmeisterfähigkeiten bei Ausbildern werden höher angesiedelt als Wissen, Können und pädagogische Fähigkeiten.
Erschreckend, dass dies sogar offiziell bei den nichtkommerziellen Orgs, wie z.B. dem VDST zu dem neuen Tauchlehrerprofil gehört!
Shops und Hersteller, die den Tauchern glauben machen wollen, dass solche Krücken wie das neue programmierbare Aufzugs-Jacket, der Boden-Luft-Computer oder der Platin-Gold-Turbo-Injektion-Dry-Automat ein Sicherheitsgewinn darstellt, der das eigene Denken überflüssig macht.
Von dem "Zurückfinder" oder den neuen Force-Split-Schlabber-Flossen ganz zu schweigen, die neuerdings sogar das Flosseln überflüssig machen sollen.
Gewiss, man kann und will die Uhr nicht mehr zurückdrehen, wir alle profitieren von dem Angebot an Equipment, techn. Neuerungen und den vielen Tauchbasen an unseren Urlaubsorten.
Woher sollen auch die vielen guten Tauchlehrer kommen, um die Nachfrage zu decken?
Trotzdem, ich denke, dass nun ein Ende der Fahnenstange im Verfall der Ausbildungsqualität erreicht sein sollte.
Vielleicht regt sich der Eine der Andere, vor allem Ausbilder, über meinen Artikel auf. So habe ich zumindest etwas Nachdenken erreicht und ich träume weiter...
- ...dass man die Leistungen der guten Ausbilder anerkennt und ihnen keine Knüppel zwischen die Beine wirft, weil sie sich dem Markt anzupassen hätten. Ein Schuh, den sich der VDST mittlerweile auch anziehen muss!.
- ...dass (angehende) Tauchlehrer Wissen, Können und pädagogische Fertigkeiten besitzen müssen und diese höher bewertet werden, als ihre "Pausenclown"-Fähigkeiten.
- ...dass niemand brevetiert wird, obwohl er ungeeignet ist, dies gilt insbesondere für die Tauchlehrerausbildung.
- ...dass Taucher tauchen und nicht sinken, man Anfänger nicht mit Blei versenkt und niemanden sein Brevet überreicht, der nicht tarieren kann.
- ...dass der Höhlenschlag gelehrt wird, nur so ist ein unnötiges Mullen zu verhindern.
- ...dass man den Tauchschüler mit seinen Gefühlen nicht alleine lässt und Lösungsmöglichkeiten findet.Tauchen findet im Kopf statt!
- ...dass man nur lobt, wenn es auch angebracht ist. Ansonsten schätzt der Tauchschüler seine Fähigkeiten völlig falsch ein.
- ...dass Fehler von Tauchschülern auch zugelassen werden, nicht nur verhindert, nur durch diese lernt man auch.
- ...dass ein Apnoetraining in der Ausbildung integriert ist. In Hinblick auf die eigenen Fertigkeiten wird die Stresstoleranz, Selbstrettungs- und damit Solokompetenz gesteigert.
- ...dass die Tauchpsychologie in der Anfängerausbildung Einzug findet und ihr die gleiche Bedeutung zugemessen wird, wie der Physik und Medizin.
- ...dass eine Rettungsausbildung unter realistischen Bedingungen durchgeführt wird und nach einigen Jahren zu wiederholen ist.
- ...dass von Anfang an mit Tabelle und Computer ausgebildet und auf die Problematik der Dekompression eingegangen wird.
- ...dass auf die Mängel des Buddy-Systems hingewiesen wird und nicht als das Sicherheitskriterium schlechthin. Hier wird nur eine nicht vorhandene Sicherheit suggeriert.
- ...dass Fertigkeiten zur Selbsthilfe gelehrt werden.
- ...dass Taucher techn. Neuerungen und Hilfsmittel diese auch nur als solche ansehen, die keinesfalls den Kopf oder eigene Fertigkeiten ersetzen.
- ...dass Taucher ihre Ignoranz und Rücksichtslosigkeit ablegen und vielleicht doch mal tarieren lernen, nichts angrabbeln oder über Riffe spazieren gehen.
- ...dass sich hier in D der VDST wieder auf seine alten Qualitäten besinnt. Er hat es nicht nötig, auch dem Götzen "Trend" hinterher zu laufen. Viele Tauchanfänger in Spe kommen nur deshalb zum VDST, bzw. zu den Vereinen, weil sie sich hier eine gute Ausbildung erhoffen. Dies ist m.E. immer weniger und wohl bald gar nicht mehr gegeben.
...aber wie gesagt, ich träume nur...
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Hast Du bestens gepostet u. damit alles wesentliche was nicht nur Dir sauer aufstößt auf den Punkt gebracht.
Gruessli von der Ostsee