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Tauchen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 29.12.2008

Einen Dank an von Matthias Frey für diesen Bericht!

Deko = Dekompression kommt einfach aus der Art wie wir alle mit Gerät tauchen.
Warum können wir das denn überhaupt?

Wir können das nur, weil unser Körper die Eigenschaft hat, die in Geweben gelösten Gase mit einer gewissen Toleranz in Lösung zu halten. Jedesmal, wenn ein (auch noch so kleiner) Abstieg in größere Druckbereiche erfolgt, löst sich mehr und mehr von dem Atemgas in unseren Geweben. Wie gut sich das Gas in den Geweben löst, ist dabei unterschiedlich - und die Effekte, die diese gelösten Gase auf unsere Körper haben auch. Ab gewissen - von Individuum zu Individuum unterschiedlichen Grenzen - haben dann auch diese Gase unterschiedlich schädigende Einflüsse.

Das Problem liegt nun aber nicht im Abtauchen - denn beim Abtauchen lösen sich einfach vermehrt diese Gase - die dann natürlich, irgendwann auch mal anfangen ihre jeweiligen Wirkungen zu entfalten. N2 wirkt dann narkostisierend, O2 bewirkt Krämpfe, Co2 bewirkt Blackouts. Aber wie gesagt - individuell unterchiedlich, also in einer Bandbreite und neben Disposition auch von Training und Psyche abhängg. Auch "edle" Gase, wie z.B. Helium etc. haben ihre Wirkung die unter Druck zunimmt.

Das Problem liegt in der Austauchphase, also dort, wo der Taucher den Druck verringert. Denn in dieser Phase wird der Effekt umgekehrt und die gelösten Gase wollen wieder aus der Lösung ausperlen - und können eben durch "Blasenbildung" Embolien und schlimmeres - subsummiert under dem Synonym DCS - hervorrufen.

Würde der Körper nun das Gas genau so wieder aus der Lösung entlassen, wie er es aufnimmt, dann könnten wir alle wohl nicht mit den heutigen Geräten tauchen, denn wir bekämen alle Gasembolien!

Zum Glück - und aufgrund einer Laune der Natur - ist hier aber eine Hysterese eingebaut. Der Körper gibt das Gas nicht genauso ab, wie er es aufnimmt. Er hält es in Lösung, und zwar etwa so lange, bis man auf den halben Umgebungsdruck aufgestiegen ist (Haldane).

Das bedeutet, daß man ausgehend von dem normalen atmosphärischen Druck von etwa 1 bar (auf Meereshöhe) im Prinzip auf knapp etwa 10 m WT abtauchen kann - dort "unendlich" lange verweilen kann, und dann ohne Symptome an die Oberfläche zurückkehren kann, weil der Körper das unter dem doppelten Druck (2bar) geloste Gas auch bei Atmosphärendruck immer noch in Lösung hält. Praktisch ist das aber knapp kalkuliert, und einige wenige haben auch schon bei TGs in diesem "sicheren" Bereich DCS bekommen!
Populationen unterliegen halt Streuungen - und manche Individuen weichen halt sehr stark vom Mittelwert ab.

Nullzeit ist nun die Zeit, in der man gefahrlos ohne Dekompression auftauchen kann - so oder so ähnlich ist sie definiert.
Genaugenommen kann man dies aber eben nur bei TGs die nie tiefer als eben diese 10m waren - bei allen anderen TGs taucht man ja auf einen geringeren als den halben Druck auf wenn man an die Oberfläche zurückkehrt!

Ein TG auf 20m z.B, hat etwa 3 bar - und man kann i.d.R. ohne Probleme auf etwa 1,5 bar - also 5m - zurück - geht man weiter zurück, also etwa an die Oberfläche (1bar) - so kann der Körper das Gas nicht mehr in Lösung halten und perlt aus. Hier hat man also ein Dekompressionsproblem. Jeder von uns hat das.

Anders ausgedrückt: Würde man aus einer Tiefe vom 20m (3bar) praktisch in nullkommanix an die Oberfläche zurückkehren, würde das Gas eben ausperlen - und man hätte eine Dekoproblematik.

Da man aber mit Tauchgängen von bis zu 10m keie Adepten fangen kann - die Tiefe taucht prkaktisch jeder auch per Apnoe - hat man sich was ganz besonderes einfallen lassen - die NULLZEIT!

Man hat einfach gesagt: Um zurückzukehren braucht man i.A. ja auch Zeit - und während dieser Zeit entsättigt ja der Körper bereits.
Kehrt man also lamgsam zur Oberfläche zurück, so entfernt sich ggf.
soviel Gas symptomlos aus dem Körper, daß es eben nicht zu der Blasenbildung kommt. Nun ist phsysikalisch das Lösen von Gasen nicht nur eine Funktion der Tiefe - sondern eben auch eine der Zeit.

Der wirkliche Zusammenhang ist komplex - und ich empfehle Peter
Rachows Homepage www.peter-rachow.de oder www.peter-rachow.de/dekompression.htm für weiterführende Infos zur Dekotheorie - oder den Ehm oder andere gute Quellen - aber vereinfachend gesagt hat man folgenden Effekt:

Der Körper, wenn er auf größeren Druck verbracht wird, braucht eine gewisse Zeit um sich völlig aufzusättigen. Diese Zeit liegt gewebespeziefisch im Bereich von einigen Minuten bis einigen (mehreren) Stunden. Und natürlich lässt sich nun eine Konstellation finden, bei der der Körper gerade soweit aufgesättigt ist, daß man durch moderaten Aufstieg diese Sattigung wieder symptomlos (also ohne Ausperlen) wegbekommt. Diese Zeit nennen dann gewisse Strategen Nullzeit. Das heisst: Solche TGs die in dieser Nullzeit liegen, haben durch entsprechend langsame (vom RDP oder anderen Tabellen oder Computer vorgegebenen) Aufstiege genügend Zeit symptomlos zu *dekomprimieren*.

Das Problem - und das allgemeine Unwissen nach PADI oder PAID - ist nun, dass der Betreffende beim Durchschuss (in nullkommanix nach oben) sehr wohl DCS erleiden kann - weil er einfach über der physikalisch/physiologisch vorgegebenen Grenze taucht.

Deswegen bezeichne ich den Terminus "Nullzeit" und die damit verbundene PADI (und PAID) Lehre als Volksverdummung.

Das irrwitzige an dieser Nullzeitgeschichte ist nun, dass die oben skizzierte Lehre kontraproduktives Verhalten fördert (was ich für verantwortungslos halte).

Der Uninformierte denkt: Ahh - Nullzeit - da bin ich sicher. Wegen mangelnder Ausbildung und ungenügendem Trainig zur Problembewältigung schießt er durch (er kann ja wg. Nullzeit jederzeit zurück, denkt er) und bekommt genau das was er vermeiden wollte: DCS.

DCS ist so ziemlich das Übelste was man sich beim Tauchen holen kann. Manchmal ist es tödlich - manchmal hinterlässt es irreversible Schäden - manchmal geht's auch gut aus. In jedem Fall ist es eine große Sauerei.

Nur das Wissen um die Zusammenhänge kann einen Taucher davor bewahren, eine DCS zu bekommen. Nur wenn der Taucher versteht, dass die Aufstiegsgeschwindigkeit das Problem ist - nicht die Tiefe - nicht die Zeit (wenn auch eher als die Tiefe, siehe Note), nur dann wird er anfangen so zu tauchen, daß er das DCS-Risiko minimiert.

Ein guter Taucher hat Respekt vor der Oberfläche - er weiß dass zwischen ihm und der Oberfläche die Gefahr der DCS lauert - und wird nur im allerextremsten Notfall und als allerletzte Möglichkeit den vemeindlich rettenden Weg nach oben suchen.

Ein guter Taucher weiß auch, daß er immer und jederzeit der Kompression un der Dekompression unterliegt. Zwangsläufig, daran ändert auch PADI et al nix.

Ich schreibe so lange Beiträge in der Absicht, daß der eine oder andere dadurch Zusammenhänge besser versteht, die ihm leider durch viele Ausbilder vorenthalten bleiben. Wenn dem einen oder anderen, der die Tatsachen beherzigt dadurch eine DCS erspart bleiben sollte, dann würde mich das freuen.

Für die die mich nicht kennen: Ich führe meine TGs mit Luft in Tiefen von 40-90m und habe bisher über 1000 TGs tiefer als 40m in dieser Art durchgeführt.

Ich hatte noch nie ein DCS Problem - und ich weiß, durch langjährige Erfahrung und aufgrund meiner physikalischen Ausbildung, dass DCS in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle durch Durchschuss entsteht. Ob in oder außerhalb der Nullzeit ist unerheblich - und man kann leider auch nicht zwingend den Zusammenhang herstellen, daß nur Durchschiesser aus großen Tiefen schlimm sind - auch Durchschiesser aus PADI-Tiefen können es sein, denn es hängt dann einfach davon ab, wo sich die Embolie ereignet - und das gehorcht dem Zufallsprinzip.

Der Terminus "Nullzeit" ist ein Märchen. Die Art wie er in der heutigen Ausbildung verwendet wird ist oft verharmlosend und falsch.

Jeder Tauchgang, der tiefer als etwa 10m führt ist nach physikalischen/physiologischen Gegebenheiten ein Dekotauchgang!

 

Nullzeit