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Kritik - Sparte Fotografie

NIKON D90

Eingetragen am 07.12.2008

Liebäugelte ich mit einer NIKON D300, lag plötzlich die neue NIKON D90 im Regal.
Was tun? Meine ersten Gehversuche mit der NIKON D90...
...dannach stellte sich dann gleich die Frage, oder besser eine NIKON D300?

Zuerst viel mir bei der D90 die gleich gute Robustheit, Ergonomie und Bedienfreundlichkeit wie bei der D80 auf. Hier bedurfte es keiner Umstellung.
Die Grundfeatures wie die einfache Menüführung, der eingebaute Masterfähige Blitz zur Ausnutzung des Creativ Lightning System (CLS) und andere Features sind bei der D90 selbstverständlich vorhanden.

Die NIKON D90 ist mit einer völlig neuen Elektronik ausgestattet, hier tun sich dann auch gleich Welten im Gegensatz zur D80 auf. Nichts ist mehr beim Alten.
Die D90 besitzt einen Sensor im DX-Format (23,6 x 15,8 mm) mit 12,3 Megapixel. Hier war ich zunächst skeptisch. Wieder mehr Pixel auf gleichem Raum. Aber oh Wunder, die Bilder ab 400 ISO sind deutlichst schärfer als bei meiner D80!
Selbst mit ISO 1.600 sind rauschfreie Aufnahmen möglich. Einige Leute meinen, dass die Bildqualität in Bereichen sogar besser sei, als bei der D300.
Siehe auch meinen Test: Vergleichsbilder_der_NIKON_D80_und_D90.html
Bemängelte ich bei der D80 noch die Arbeit der Programmautomatiken, arbeiten sie bei der D90 völlig einwandfrei, ein Lob auf die neue Elektronik. Die Bilder brauchen in der Regel kaum mehr bearbeitet zu werden.

Weitere Neuerungen:
Die NIKON D90 ist nun mit einem LiveView ausgestattet. Für mich ist das grundsätzlich unbedeutend, solange das LiveView keinen schwenkbaren Monitor, kurze Auslöseverzögerung und keine Belichtungsvorschau besitzt.
Allerdings handelt es sich hier um einen super detailreichen 7,6cm-Farbbildschirm (3"-TFT-LCD mit 920.000 Bildpunkten) mit einer hundertprozentigen Bildfeldabdeckung. Für die Nutzung der Video-Funktion ist das LiveView allerdings recht hilfreich, bzw. notwendig. Da ja der Spiegel hoch geklappt ist, geht die Videofunktion nur über das LiveView.
Über den neuen HDMI-Anschluss kann man seine Ergüsse unmittelbar hochauflösend am TV betrachten.

Mittels GPS-Empfänger GP-1 kann man GPS-Positionsdaten aufzeichnen lassen. Über WLAN besteht die Möglichkeit Bilder per Funk zu übertragen lassen.

SanDisks neue SDHC-Karten der Extreme-III-Familie sollen voll auf die D90 abgestimmt sein, hier soll zum ersten mal die Schreibgeschwindigkeit von bis zu 30 MByte/s ausgenutzt werden können.
Nun, ich kann das nicht nachmessen, aber sie sind schon rasend schnell!

Offiziell kann die D90 im Serienbildmodus bis zu 100 JPEG-Fine-Bilder in Folge bei einer Bildfrequenz von maximal 4,5 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Theoretisch, die Grenze wird hier durch die Schreibgeschwindigkeit der Speicherkarten begrenzt.

Die größte Neuerung in der Klasse der Einsteiger-DSLR ist die neue Videofunktion der D90. Klar hier wäre eine EOS 5D Mark II mit Full-HD natürlich besser, die kostet aber auch das Dreifache.
Trotzdem, die Video-Leistung der D90 mit einer Auflösung von 1.280 x 720 ist beachtlich. Ein Wermutsstropfen bedeutet allerdings, dass bei der Aufnahme keine AF-Funktion möglich ist.
Aber andersherum: Wer intensiv Videos drehen möchte, wäre da eine Cam eh nicht besser? Die D90 ist schließlich eine Kamera.
 

Besonderheiten:
Das Live-View, als auch die damit verbundene Video-Funktion ist nur gut 30 Minuten zu nutzen, da sich die Kamara dadurch zu sehr aufheizt.
 

Negatives:

- LiveView

Das Live-View wird dadurch realisiert, dass der Spiegel hoch klappt und das Licht auf das Display geführt wird. Eine Kontrolle durch den Sucher ist nicht möglich, auch werden einige Programmeinstellungen dadurch behindert oder funktionieren nicht mehr. Das Schießen eines Fotos dauert sehr lange, taugt nur für unbewegte Objekte und ist für die Fotografie insgesamt indiskutabel. Dies ist IMHO aber ein bauartbedingtes Problem bei vielen DSLR. Trotz dieser Nachteile ist ein LiveView manchmal wünschenswert, dann wenn man aus einer besonderen Perspektive Fotografieren möchte. Hier bietet das LiveView mangels schwenkbaren Monitors auch keine Vorteile. Der fehlende schwenkbare Monitor macht sich gerade im Videomodus bemerkbar, da man die Kamera in Augenhöhe halten muss. Da die D90 wie bei mir mit schwerem Objektiv und Akku-Tank recht schwer ist, sind ruckelfreie Clips recht schwer zu bewerkstelligen.
Bei schnellen Bewegungen entstehen Verwischungseffekte, eine Kontrolle über die Scharfstellung ist kaum möglich.

- Software - RAW

Der Gebrauch einer solchen Kamera macht eigentlich nur Sinn, erstellt man seine Fotos als RAW, lest dazu RAW_oder_JPG.html
RAW-Dateien, bei NIKON sind es NEF-Dateien, sind auch wieder propitär. NIKON hat zur Bearbeitung dieser Dateien sein NIKON NX geschaffen. Für die Bearbeitung der mit der NIKON D90 erstellter NEF-Dateien muss allerdings die neueste Version (ca. 100 - 200 Euronen)  von NIKON-NX2 installiert sein.
Diese Kosten sind der Anschaffungskosten für eine NIKON D90 hinzurechnen. Klar, das Programm ist schon spitze, aber eigentlich fühle ich mich als Besitzer einer älteren Version schon verarscht. Warum kann ich meine NEF-Dateien nicht auch in einer älteren Version öffnen, wofür ich auch nicht wenig Geld gezahlt habe? Vielleicht bin ich auch mit weniger Funktionen glücklich. Aber dass das alte NIKON-NX die Dateien noch nicht einmal öffnet, finde ich schon daneben. Hier fühle ich mich abgezockt...
 

Positives:
Auf all die positiven Neuerungen oder altbewährtes gehe ich nicht besonders ein, da die meisten Neuerungen an sich ja schon als positiv zu bewerten sind. Aus dem Auge eines Fotografen betrachtet, oder besser für mich, besonders positiv ;-)

- Belichtungselektronik

Bei meiner D80 war eine gute Belichtung manchmal reine Glücksache. Unter extremen Bedinungen waren manchmal gut 5 Fotos zu schießen. Bei der D90 arbeitet die Elektronik einfach nur super. Selbst unter erschwerten Bedingungen wird die Umwelt fast immer so abgelichtet wie ich sie sehe. Insbesondere arbeitet der Weißabagleich deutlich besser.
Ein besonderes Schmankerl ist das Kameraintere D-Lightning. Unter extremen Kontrastreichen Umgebungen werden hier die hellen Bereiche abgedunkelt, dunkle Bereiche aufgehellt. Dies ist theoretisch auch mit einer Software möglich, nur, sie scheitert, fehlen die entsprechenden Bildinformationen. Da das D-Lightning in der Kamera vorgenommen wird, bleiben die Bildinformationen erhalten, der Dynamikumfang erhöht sich hier extrem. Das D-Lightning ist natürlich für künstlerische Zwecke abschaltbar.

- Rauschunterdrückung

Wieder mehr Pixel auf gleichem Raum, dabei die kleinste Einstellung bei ISO 200...
Das kann nicht gut gehen, dachte ich...
Doch die Bilder sind genau so scharf, wie bei meiner D80. So richtig bemerkbar macht sich die Rauschunterdrückung ab ISO 800! Lichtempfindlichkeit ohne Rauschen bei gleichzeitiger Schärfe, so etwas habe ich bei einer solchen Pixel-Anzahl bei diesem Sensorformat noch nicht gesehen!


Fazit:
Die D90 stellt zur D80 und insgesamt in dieser Klasse einen Quantensprung dar! Eine rundum gelunge Kamera die kaum einen Wunsch offen lässt. Mit der Video-Funktion ist man in der Lage, mal zwischendurch durchaus gelungene Videos in guter Qualität zu drehen. War das Preis-Leistungsverhältnis bei der D80 eher ausreichend, bezeichne ich das der D90 als gut bis sehr gut.
Wer versucht ist, eine nun günstige D80 zu erwerben, sollte besser die vielleicht 300 Euronen drauf legen. Man erhält mehr Kamera, als man drauf zahlt.

Das Live-View ist für die Fotografie eher für Ausnahmesituationen denkbar, ansonsten völlig untauglich. Es sollte nicht zum Kaufentscheid beitragen.

War mit dem Akku der D80 kaum ein Blumentopf zu gewinnen, ist der Stromverbrauch bei der NIKON D90 bei Ausnutzung der Features deutlich höher. Der Standard-Akku hält nicht lange, ich empfehle hier den Zusatzakku-Tank  Multi Power Battery P von NIKON - Hier könnt Ihr handelsübliche Akkus einsetzen und der hält ewig.

Oft hört man die Frage, ob man sich nicht besser eine D300 gönnt. Man sollte sich zunächst mal die Frage beantworten, was man mit der Kamera machen möchte, welche Ansprüche man an die Features hat und wo der hauptsäche Einsatzort liegt.
In der Bildqualität tun sich die beiden Kameras nichts. Unterschiede bestehen aber im Innenleben. So hat die D300 z.B. im Gegensatz zur D90 mit 11 Messfeldern über 51 Messfelder. Das Magnesium-Gehäuse ist gegen Staub und Spritzwasser geschütz. Sie ist mehr für den professionellem Einsatz gedacht.
Dafür ist die Kamera aber auch gut doppelt so teuer.
Wer in den Dschungel geht oder unter widrigen Bedingungen seine Fotos macht, sollte eher zur D300 greifen, wer eher die eierlegende Wollmilschsau sucht, ist mir der D90 bestens bedient.

Techn. Daten:

Hersteller Nikon
Modell D90
Preis ca. 809 - 890 EUR***
Sensor Auflösung 12,3 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.288 x 2.848
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv AF-S DX Nikkor 18-105mm/3,5-5,6G ED VR
Filtergewinde 67 mm
Sucher Pentaprisma
  Sichtfeld 96%
  Vergrößerung 0,94-fach
  Dioptrienausgleich -2 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 920.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang Composite, HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeitbelichtung ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 2
Belichtungsmessung   3D-Colormatrixmessung II mit 420-Pixel-Sensor, mittebetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 13
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC
Videomodus ja
  Format AVI
  Codec Motion JPEG
  Auflösung (max.) 1.280 x 720
  Bildfrequenz (max.) 24 Bilder/s
Empfindlichkeit  
  automatisch 200-6.400
(Obergrenze einstellbar)
  manuell ISO 100-6.400
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja (4 Speicher)
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
11
  AF-Hilfslicht weiße Leuchtdiode
  Geschwindigkeit 0,3-0,7 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit 0,15 s (exkl. Sensorreinigung)
Einhanbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
620 g (nur Gehäuse)
1.040 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*  
  Serienbildanzahl max. 100
  Frequenz
    (Bilder/s)
max. 4,5
5-4,2 (Messung)
Dauerlauf
    (Bilder/s)
  mit Blitz nur mit externem Blitz
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*
 
  JPEG 0,18 s (3,0 MByte) JPEG-Normal
  RAW 0,6 s (9,4 MByte) NEF unkomprimiert
Auslösung während d. Speicherns mögl. ja
Akkulaufzeit ca. 850 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit SanDisk Extreme III 8 GB SDHC (Klasse 6) Speicherkarte (30 MBytes/s Edition)
** mit Objektiv AF-S DX Nikkor 18-105mm/3,5-5,6G ED VR
*** ohne Objektiv

 

 

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