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Reisen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 03.08.2009

Eingetragen am 03.08.2009

Sonntag 02.08.2009 Valle Dolomiten - Mals Tirol 500 km

7:00 Uhr
Geweckt wurde ich durch das Gebimmel der Kirche von nebenan. Erst normales Geläute, dann wurde die Stunde angebimmelt, dann noch ein Liedchen als Zugabe!

8:00 Uhr
(Bilder zum Vergrößern klicken)
DolomitenAbfahrt von Valle (Forno d. Zoldo) über die Passo Duvcen und Cereda. Schade, dass man diese Bilder fotografisch nicht erfassen kann. Die Dolomiten in der Morgensonne, das Grün und dieser blaue Himmel.
Die Strassen waren wie erwartet, klein, schmal, hubbelig und führten durch eine traumhafte Landschaft. Da ich noch nicht ganz wach war, ließ ich es langsam angehen und hielt des öfteren an, zu eindrucksvoll war das Massiv.


10:00 Uhr Trentino 40 km
TrentinoIch erreiche die Grenze zu Trento - Alto Adige. Klasse, zwei Stunden unterwegs und schon 40 km geschafft ;-)
Nicht nur der Bezirk ändert sich hier, auch die Landschafft. Sie ist durch Schluchten geprägt mit sehr viel Grün, aber trotzdem noch irgendwie wild.



11:00 Uhr Passo Brecco 80 km
Ich erreiche den Passo Brecco. Hatte ich ob der Beschreibung so meine Befüchtungen, entpuppte sich der Pass als gut ausgebaut.
Schmal, aber der Asphalt war von erster Güte. Nun kam ich allmählich in Fahrt und ließ die Q laufen. Heute war so ein Tag wo das Gefühl so richtig stimmte. Nichts ging daneben und es machte einen Heidenspass, die Q durch die engen Kurven zu treiben.
Angenervt war ich lediglich von den Yoghurtbecherfahrern. Auf den kurzen Geraden Stoff geben und dann die Becher um die Kurven tragen.
Aber heute ließ ich mich mal darauf ein ;-)
In den Kurven Versägen und nur so viel Beschleunigen, dass sie nicht vorbei kommen, so war ein flüssiger und rasanter Stil drin, ohne vor jeder Kurve in die Bremse latschen zu müssen.
Irgendwo in den Bergen schmeiße ich mich dann erst mal auf eine Wiese, genieße das Leben und nehme mein Frühstück ein.

13:00 Uhr Terragnolo 150 km

Das Terragnolo umrahmt den Garda See auf der östlichen Seite und ist durchzogen von kleinen Straßen in hervorragendem Zustand. Ich hatte mich förmlich in einen Rausch gefahren, Mann, war das geil!
Auf dem Berg fällte ich meine erste traurige Entscheidung. Meine Planung war nicht aufrecht zu halten, mir lief die Zeit davon. Ich musste meine kleine Hausstrecke von Gargagnolo aus am Garda See zum Lago d`Idro ausfallen lassen. Von dort aus ist leider auch der Passo Maniva gestorben.
Der Passo Maniva ist ursprünglich eine Strasse zu verschiedenen ehemaligen Forts und führt bis auf 2.000m hinauf. Eng, schmal, kaputt und teilweise Schotter.
Also umfuhr ich den Garda See nördlich, aber Bardolino mit dem Passo Grocce Domini blieb auf dem Plan.

14:00 Uhr Garda See 200 km
GroßglocknerDer Garda See liegt nicht viel über n.n., die Abfahrt von den Bergen war wie eine Fahrt gegen eine Hitzewand. Es herrschten locker 35 Grad vor.
Trotzdem gönnte ich mir vor der Abfahrt zum See auf einer Terrasse eine Pause umd die Aussicht zu genießen. Das hat schon was, der Garda See eingrahmt von teilweise 2.000m hohen Bergen. Insbesondere das Westufer mit dem Steilwänden die fast bedrohlich wirken.


GroßglocknerVon Riva aus ging es zunächst durch einen 8 km langen und schnurgeraden Tunnel zum Lago d`Idro.
Ich erinnere mich, hier startete ich mal meine damalige GPZ von 0 auf 260 :-)
Das war ein Feeling...
Dunkelheit und nur die Oberbeleuchtung, das war wie das Starten mit einem Raumschiff. Vorbei die Zeit, nun ist man eher den Lappen los, die Bullerei kennt ihre Pappenheimer und die stehen dort spalier ;-)

15:30 Passo d. Grocce Domini 260 km
GroßglocknerEin Ministräßchen führt durch Schluchten und an Wasserfällen vorbei hinauf zu einer grünen Hochgebirgslandschafft. Hier war die Hölle los, ganz Italien war hier wohl verreten. Selbst die Kühe hatten kaum mehr Platz, überall lagen, campierten oder grillten Leute.
Entsprechend war der Verkehr, Zockeln ist fast gerast. Die Straße ist so eng, dass oftmals kein Platz für ein Auto und ein Motorrad ist. Entsprechend gefährlich ist die Strecke an unübersichtlichen Kurven.
Mich hätte es fast erwischt, als ein Mädel rasant um die Kurve fuhr. Wir beide voll in die Eisen und soweit als möglich ausgewichen. Da waren kaum ein paar Zentimeter zwischen Auto und Felswand. Abgestützt hatte ich mich mit dem Fuß gegen die Felswand.

Auf der Passhöhe schaute ich gen Westen und da braute sich fürchterliches zusammen. Ein Blick auf die Karte mit den geplanten Pässen ließ mich erschauern.
Selbst bei bestem Wetter käme ich nicht mehr weit und hätte dann am Montag eine Martertour auszustehen, wenn ich es denn überhaupt Nachmittags bis zu meinem Ziel Sigmaringen schaffen würde. Irgendwie hatte ich es auch gar nicht verinnerlicht, wie tief ich eigentlich noch im Süden war.
Also traf ich dann meine nächste traurige Entscheidung:
Auf breiten Straßen Stoff geben Richtung Norden, sprich Bormio, Stilfser Joch, Rechenpass und Landeck. Wer die Gegend kennt, oder sich eine Karte beschaut, wird sagen, warum nicht durch die Schweiz, ist kürzer. Nur, dort hatte Odin gerade einen Tobsuchtsanfall und das musste ich mir auch nicht unbedingt antun. Bisher hatte ich wettertechnisch Glück gehabt und Richtung Norden sah es auch nicht so schlimm aus.

Also erst mal vom Grocce Domini runter tuckeln. Später entswickelte sich die Straße wieder zu einer richtigen Q-Strecke bis nach Breno, 30 km Fahrspass pur.
Wie schon erwähnt, heute war ich gut drauf und auch dem schnellen Fahren zugetan, so bin ich lange schon nicht mehr gefahren ;-)

Von Breno aus Richtung Edolo hängte ich mich sogar an zwei Italiener und pflegte dem italienischem Stil. Junge geben die Gas...
Durchgezogenen Linien, Gegenverkehr, alles egal, hauptsache Stoff. Ich dachte mir, zuerst hat man sie am Wickel, also immer hinterher. Ok, die 150 auf der Landstrasse hatte ich noch mitgemacht, aber mit 100 durch die Ortschaften hielt ich dann doch für daneben und ließ sie ziehen.

18:00 Uhr Auffahrt Stilfser Joch 420 km
Das Stilfser Joch kenne ich ja nur von der Ostseite her und finde es eher langweilig. Von Westen her ist die Auffahrt aber ein Hammer!
Die gut ausgebaute Straße führt an kahle Steilwände vorbei und tiefe Schluchten mit einem besonderen Reiz. Deutlich sind die Verwerfungen durch entsteheung der Alpen zu erkennen. Bei dieser Gewitterküche sah dies besonders reizvoll und auch ein wenig bedrohlich aus.

Vorsicht!
Sie Straße führt durch einige breite Galerien in denen sich enge kurvige Tunnel befinden. Durch die Tunnel passt gerade mal ein Auto! Gegenverkehr ist nicht zu erahnen und es kann zu einer unliebsamen Überraschung kommen.
Macht euch unbedingt mit Fernlicht und Gehupe bemerkbar!

Kurz vor der Passhöhe meinte Else, ich möge doch ein Stück durch die Schweiz fahren. Ich fragte die Karte um Rat, denn ich wurde allmählich müde und hatte keine Lust auf Überraschungen. In der Karte sind dicke Straßen eingezeichnet, also wird Else schon recht haben.
Diese Nord-Passage ist ebenso deutlich hübscher als die Ost-Seite. Sofort wird alles grün. Die Anfangs zwar enge, aber gut ausgebaute Straße wurde plötzlich zur Schotterpiste. So`n Mist, aber umdrehen lohnte auch nicht mehr. Zu allem Überfluss fing es nun auch noch an zu Regnen.
Allerdings war ich überrascht wie gut die Q sich manövrieren ließ und ich kam doch recht flott von der Stelle.
Endlich hatte ich dann wieder festen Boden unter den Füßen und es ging mit Stoff Richtung Italien.

19:00 Uhr Lauders 470 km
Ich hatte nun wirklich keine Lust mehr und die Zeit wurde für die Zimmersuche auch knapp, vom Hunger mal abgesehen. Aber es war keine freie Bude zu bekommen, Ferienzeit. Also weiter und mich darauf eingestellt, in einem Buswartehäuschen nieder zu lassen.

19:30 Mals 500 km
Hier fand ich dann eine sehr nette und preiswerte Bleibe in Garni Ingrid. Natürlich wollte ich auch meinen Magen beruhigen und suchte das einzige Restaurant, eher eine Pizzeria auf. Pech gehabt, proppenvoll und alles reserviert.
Also schüttete ich mir den Bauch mit Kaff voll, der immer nebst Kocher am Mann ist. Na ja, meiner Figur ist ein Fastenabend insbesondere durch die Schlemmerei des Vortags auch nicht abträglich.
Komischerweise war ich trotz der Marter gar nicht so kaputt und fand sogar noch die Zeit für diese Zeilen.
Mal schaun, wie es morgen wird, sind ja nur noch knapp 300 km bis Sigmaringen.

Teil 4, Trentino - Sigmaringen

 

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