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Reisen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 03.08.2009

Samstag 01.08.2009 München - Valle bei Fonzo d. Zoldo Dolomiten, 420 km

8:00 Uhr
Der Autozug ist pünktlich angekommen und ich Dank etlicher Gläser "Roten" ausgeschlafen. 7:00 Uhr war Wecken, allerdings hätte es der Lautsprecherdurchsage nicht bedurft. Wach wurde ich durch das Gequäke von zwei verzogenen Bälgern und dem dszugehörigen Geschrei der Eltern. Dabei waren die drei Abteile weiter weg...
Acht Uhr erscheint früh, wenn nur nicht diese ewige Warterei wäre bis der Zug abgekoppelt und an die Rampe geschoben wird.

9:00 Uhr
Endlich kann ich auf dem Zug um meine Q zu befreien. Da der Zug in Hamburg los ging, war mein Anhänger der Letzte. Eigentlich egal, wenn nur die Decke nicht so niedrig wäre.
Selbst wenn man den Kopf neigt, bleiben einem lediglich ein paar Zentimeter Luft. Da gibt es doch tatsächlich Leute, die sich darüber beschweren, dass sie einen Helm aufziehen sollen...

Meine Idee, bis in die Dolomiten und die Gegend um den Gardasee herum zu fahren, rief bei der besten Ehefrau von allen eher ein Kopfschütteln hervor. Doch ich hatte mir schon was dabei gedacht.
Österreich erscheint mir zu aufgeräumt und zersiedelt und dann die ganzen Touris, was sich auch leidlich bewahrheitete.

Also erst mal auf die Bahn und die ca. 80km bis zur Grenze in Kufstein abgerissen um sich nicht ewig im zersiedelten Alpenvorland aufzuhalten. Ausgesucht hatte ich mir eher kleinere Straßen Richtung Großglockner, doch der Verkehr war höllisch, na ja, Ferienzeit...

11:30 Uhr
HUNGER!
Also erst mal eingekehrt. Verführt durch die Biker-Werbung ließ ich mich in dem letzten Gasthof vorm Großglockner im Cafe-Gasthof in Fusch nieder. Ich erwartete preiswertes Essen, aber Junge, das war eine Preisklasse ;-)
Schiet, aber bevor ich gar nichts mehr bekomme...
Zumindest war das Essen hervorragend! Gedünsteter Truthahn mit frischem Gemüse in Käsesoße. Hm...

12:30 Uhr Der Großglockner
(Bilder zum Vergrößern klicken)
GroßglocknerMist, ich hatte ja ganz vergessen, dass der Großglockner eine Mautstraße ist. Die verlangen mittlerweile selbst für ein Moped eine Kohle...
Egal, nun gibt es kein zurück mehr und hier hatte ich die erste Gelegenheit meine neuen Reifen endlich mal an den Flanken aufzurauhen.
Der Pass ist eine Piste und da muss man es schon ein wenig flott angehen lassen, will man so etwas wie Schräglage erreichen. Allerdings ist das nicht mehr so meine Welt, vielleicht werde ich doch vernünftig? ;-)
GroßglocknerDie Gegend ist durch den Schnee und ein paar Gletscher schon ein weing imposant, wenngleich auch ziemlich Kahl.
Tja, Ferienzeit, ich fühlte mich wie auf der Düsseldorfer Kirmes, die Hölle war hier los. Kurz ne Fluppe reingezogen und bloß weg hier.


GroßglocknerOb sich hierfür der Eintritt lohnt? Für mich war das garantiert das letzte Mal.
Also weiter Richtung Italien zum Plöckenpass. Hier waren noch einige Kilometer abzureißen. Je länger ich in Österreich unterwegs war, dest mehr ging mir das Land auf den Senkel.
Überall diese Skirummelarchitektur, das Aufgeräumte und dann dieser Verkehr...

14:00 Plöckenpass
Der Verkehr wird endlich weniger und es geht zügig voran. Zügig heißt mindestens die zugelassenen 100 km/h. Hinter mir rasen zwei Yoghurtbecher heran. Ich lasse sie vorbei, dieses ewige Beschleunigen und Bremsen ist nicht meine Welt.
GroßglocknerHinter der Grenze tut sich eine neue Welt auf. Endlich Italien! Die Straße wird sofort schmal, kein Verkehr mehr, Bodenwellen, Risse im Asphalt, rechts-links-Kombinationen und engste Kehren.
Endlich bin ich in meiner Welt und vorne tauchen wieder meine Yoghurtbecher auf. Ob ichs noch kann, Yoghurtbecher jagen? Jupp, es geht ;-)
Nun Ja, es wird wohl weniger an meine Fahrkünste gelegen haben, die Q ist einfach geschaffen für diese Straßen.
Komischerweise ändert sich auch gleich die Landschaft und dann diese ursprünglichen italienischen Dörfer mit ihrem besonderen Flair. Landschaft und Dörfer sind einfach ursprünglich, an vielen Ecken ist die Zeit scheinbar stehen geblieben.
Die Dolomiten kommen in einer unglaublichen Kulisse in der Nachmittagssonne näher. Und wie gesagt, diese Straßen...

17:30 Uhr Ciampigottopass
Die letzten 100 km bin ich nicht mehr voran gekommen. Trotz heizen schaffe ich vielleicht 40km/h im Schnitt. Anhalten, Landschaft bestaunen, Zigarette rauchen...
Eigentlich wollte ich ja noch bis zum Garda-See ;-)
Das wird wohl nichts, ich merke wie die Konzentration nachläßt und ich allmählich müde werde. Auf der Passhöhe des Ciampigotto befindet sich ein Refugio mit einem schier unglaublichen Ausblick auf die Dolomiten.
Unten Wald und dann dieses spitze zerklüftete Massiv mit Schneeresten. Hier bleibe ich, dachte ich...
...jupp fehlgedacht!
Am Empfang eine unwirsche Tussi, so nach dem Motto: "Mist, Kunde..."
Man sah ihr an, dass sie überlegen musste, dann zeigte Tusse mir doch ein Zimmer. Vielleicht 3x3 Meter groß, im fünften Stock unter im Speicher, ohne Fenster und das für 50 Öcken.
Nein danke...
Nun wird es eng, ein Blick auf die Karte zeigte mir, dass da bis zum Garda-See nicht mehr viel kommt und dazu noch der Passo d. Brecco.
Ich hatte mich schon auf ein Moosbett eingerichtet, als ich dann um...

18:30 Uhr Valle
GroßglocknerValle ist ein kleines Dorf vor dem Passo Duvcen. Ein Blick und ich entdeckte die Bar Ristorante Brustolon mit Auberge. Also angehalten und nach einem Zimmer gefragt und siehe da, es war noch eines zu haben.
30 Euro mit Frühstück und Stall für meine Kuh. Hier war die Hölle los, wahrscheinlich alle vornehmlich alten Männer des Dorfes trafen sich hier zum Zocken.
Was, ein Touri, der sich hierhin verirrt? So war ich gleich mitten im Leben und sie klagten ihr Leid, dass das Dorf allmählich ausstirbt.
Nach dem Duschen verspürte ich wieder ein wenig Hunger. Nicht viel, aber für eine Kleinigkeit wäre ich schon zu haben.
Tja, Ristorante ist wohl zuviel versprochen, wer soll da auch schon hingehen? Abends traf sich eine kleine Gruppe aus dem Dorf und es gab, was der Chefin so in den Sinn kam.
Ja, die Kleinigkeit...
Viel war es wirklich nicht, aber in kalorienverdichteter Form ;-)
Als kleine übersichtliche Vorspeise grüne Spätzle in Käsesoße. Als Hauptgericht gebratener Hartkäse mit frischen Pfifferlingen und einer für mich undefinierbaren Paste, nennt sich wohl Polenta. So eine Art Maispamps.
Aber Lecker!! Es war nur ein Haps, der mich aber fast zum Platzen gebracht hätte. Gott sei Dank hatte ich keine Waage dabei und heute verzichtete ich sogar auf mein Bier, nichts ging mehr ;-)
40 Euronen für Bett, Essen, Frühstück und Garage.

22:00 Uhr
Ich saß nun den ganzen Abend hier im Dorftrubel, hier und da ein Schwätzchen gehalten und zwischendurch diese Zeilen geschrieben.
Aus, Schluß und vorbei...
Mein Espresso ist alle, es ist dunkel, der Akku vom Schleppi macht schlapp und ich bin kaputt wie hulle. Ab in die Kiste, morgen gehts weiter...

Teil 3, Dolomiten - Trentino

 

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