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Eingetragen / aktualisiert am 10.01.2012

Ursprünglich ging es um Frage von Schwierigkeiten und Ausgrenzungen von muslimischen Frauen beim Tragen von einem Kopftuch im öffentlichen Dienst.
Es betrifft eigentlich jeden, der religöse Zeichen in andersartigen Kulturen offen zur Schau stell. Eigentlich auch mich, der sich dadurch ausgrenzt, dass er jede Form von religiösen Zeichen am liebsten verbannt sieht.

Gedanken, niedergeschrieben von Maya Kiran
Web www.rheinland-saga.de/

MIR wäre es recht, wenn NIEMAND - weder Christ noch andere, mit religiösen Symbolen ihre Geisteshaltung demonstrieren.
Andererseits ist es mir auch recht, wenn alle es tun - SOLANGE, wie sie es im Rahmen des Grundgesetzes tun.
Leider existiert das katholische Kirchenrecht - genau wie die islamische Sharia - in einem rechtlichen Paralleluniversum.

Beim Kirchenrecht bemerkt man es nur selten (wenn man nicht im "Verein" ist), beim islamischen Religions- "strafrecht" fällt es einem eher auf, weil es - zumindest in Teilen - den Rechten des Bundesbürgers - egal welcher Religion er angehört - zuwider läuft.

Ja bitte? Wie kann ich also feststellen, ob ein Religionsangehöriger sich mehr den Geboten und Strafen seines Glaubens verpflichtet fühlt oder den Gesetzen des Staates, in dem er lebt und arbeitet?

Als Bund oder Land sollte man sich als öffentlicher Dienstherr schon einigermaßen sicher sein, dass -vor allem im Fall des Falles - die dienstrechtlichen Anweisungen auch befolgt werden, egal ob jemand nun Christ, Muslim, Hindu, Buddhist oder Konfuzianer ode Atheist ist.

Und solange sich - als Beispiel - Muslime immer wieder mit der Ausrede ihrer religiösen Vorgaben über die geltenden Gesetze hinwegsetzen, habe ich erhebliche Zweifel daran, dass man jeden zum Beamten machen darf.

Immerhin legt man einen Amtseid ab, indem man versichert, dass man dienstlich (und privat) im Rahmen des Grundgesetzes handelt.
Da stelle ich mir vor, dass es da doch erhebliche Kreuzwellen geben könnte, wenn es mal kritisch werden sollte.

Bitte, das soll jetzt niemand persönlich nehmen. Und mir ist völlig wurscht, welchen Glauben jemand hat, solange er nicht versucht, damit MEINE völlig glaubensunabhängige und freiheitlich-demokratische Grundhaltung einzuschränken.

Leider sind derzeit eigentliche alle Kriege solche, deren wirklich fundamentale Basis Streitigkeiten zwischen Volksangehörigen unterschiedlichen Glaubens sind.
Das gilt sowohl für die immer wieder aufflackernden Kämpfe auf dem Balkan, gilt für die Kriegszustände im Afrika, im Iran schlagen sich gar die unterschiedlichen Glaubensvarianten des Islams (Sunniten und Schiiten) immer wieder die Birne ein, als gäbe es keine wichtigeren Probleme zu lösen, ob nun der eine oder andere frühere Verwandte Mohammeds der eigentliche "Chef" des Islams sei. Gilt für die vergangenen Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten ebenso.

Wenn sich mal alle an die eigenen Grundgebote halten würden, die ihre Religionsgründer in ihre Bücher geschrieben haben, statt sich um die rituelle Ausführung ihres Glaubens zu streiten, dann wäre die Welt ein sehr viel friedlicherer Ort.
Wichtig ist nicht, dass man einem im Leben konfirmiert wird, eine Hadsch durchführt oder einen Zen-Tempel aufsucht.
Dieser ganze Zirkus dient eigentlich nur der jeweiligen Priesterschaft, die dadurch Geld einsammeln und Machtpositionen einnehmen können.

Wichtig ist doch eigentlich die Grundnachricht der Religionen.
Denn die Gebote der Bibel, des Islams, des Buddhismus und anderer sind praktisch gleich:
Sei ein guter Mensch, töte und stehle nicht, sei deiner Familie und Nachbarn behilflich und lasse jeden nach seiner Begabung glücklich werden.

Was könnte die Welt für ein kreativer und fortschrittlicher Ort sein, wenn alle Gläubigen mal das völlig sinnfreie drumherum ihrer Religionen abwerfen und sich auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren könnten.

Ich habe in meinem Leben zu vielen Gläubigen verschiedener Religonen gesagt:
Dein Gott interessiert sich nicht dafür, ob du rot oder weiss oder schwarz trägst, ob du ein Kopftuch trägst, Kleid oder Hose, ob deine Haare lang oder kurz sind und schon gar nicht, welche Farbe deine Haut hat. Ihn interessiert nicht, ob du arm oder reich bist, Besitz hast oder keinen. Ob du schön oder hässlich bist oder dick oder dünn.
Was ihn -sofern es ihn gibt - interessiert ist, ob du ein nützlicher Mensch bist oder ein Tier, das seinen Hormonen und Gelüsten ausgeliefert ist. Was ist am Ende deines Lebens wichtig? Dass du in deiner Generation etwas positiv nachwirkendes getan hast.
Und dazu gehört gewiss nicht, andere wegen Nebensächlichkeiten und Raffgier umzubringen.

Meiner befreundeten libanesichen Familie sage ich immer wieder: Dein Kopftuch mag für dich ein Ausdruck deines Glaubens sein (wovon aber auch NICHTS im Koran steht), in einer nicht-muslimischen Gesellschaft führt es aber dazu, dass du dich eben selbst ausgrenzst. Es ist HIER eine Demonstration des NICHT dazu gehörens, für viele auch des nicht dazu gehören WOLLENS.

Ich möchte mal erleben, dass eine Christin mit einem 30 cm großen Kruzifix auf dem Rücken durch die Straßen eines muslimisch geprägten Landes läuft. Dort würde sie genauso demonstrieren, dass sie nicht dazu gehört und womit sie da rechnen müsste? Bestimmt wäre so mancher Mensch dort absolut nicht begeistert.

Meine Meinung ist: Wenn ich in einem Land lebe, muss ich mich zumindest äußerlich mit den Gegebenheiten arrangieren, um nicht permanent auf gesellschaftlichen Widerstand zu stoßen. Kleidung ist Signal. Wer die "falschen" Signale sendet, muss mit dem Echo leben. Das ist überall so. Innerhalb JEDER Gesellschaft sendet man mit seiner KLeidung Signale über Herkunft, Bildung und Grad der Angepasstheit. Da muss dann niemand daher kommen und meinen, er würde speziell wegen seines Kopftuches ausgegrenzt.

Wenn ich mit Ausschnitt bis zum Knie durch die Gegend renne, muss ich mich über die Reaktionen nicht wundern. Wenn ich wie eine Nonne durch die Gegend laufe, muss ich mich ebenfalls nicht über die Reaktion wundern. Man wird eben nach seiner Kleidung und Auftritt be- und ver-urteilt.
Wer sich in einem Umfeld bewegen will, egal ob das nun Iran oder Deutschland ist, egal ob das ein kleiner Mitarbeiter- oder ein Vorstandsbüro ist, der muss sich nach dem jeweiligen Dress-Code zumindest zu 80% richten, sonst bringt er es dort zu nichts.

Und das gilt eben auch in jeder Gesellschaft. Wer sich in einer relativ widerstandslos bewegen und vorwärts kommen möchte, der muss ihre Regeln beachten, sonst macht er sich das Leben nur unnötig schwer.

 

Kopftuch am Arbeitsplatz im oeffentlichen Dienst