zur « Themenübersicht Kritik

Kritik - Sparte Fotografie

Canon G9

Eingetragen am 07.12.2008

Da wollte ich mir eine CANON Powershot G9 zulegen, war sie aber kaum zu bekommen. Weder bei den roten oder anderen Diskountern, noch im Fachhandel.


Mein Verdacht wurde auch durch die Verkäufer bestätigt: Für einen unverbindlichen VK-Preis von ca. 500,- Euronen bekommt man schon eine DSLR. Selbst bei dem von mir erhandelten Preis von 450,- Euro liegt der der Preis noch deutlich über eine NIKON D40, die um längen schärfere und rauschärmere Bilder produziert. Für den Normalknipser, der kleine kompakte Kameras wünscht, ist die CANON Powershot G9 einfach zu teuer. Die Händler sind froh, wenn sie die CANON G9  los sind, es rechnet sich für sie nicht.

Die CANON Powershot G9  im Einzelnen (Foto:M. Scharrer):

Canon G9Maße:
Mit 10,5 x 7 x 4cm (eingefahrenes Objektiv) fällt die CANON Powershot G9  recht kompakt aus und passt in jede kleine Jackentasche. Andere kompakte Kameras in dieser Leistungsklasse fallen deutlich größer aus.
Hier spielt die CANON Powershot G9 einen großen Vorteil aus: Hohe Leistung auf kleinem Raum.

Bildschärfe:
Hier war ich überrascht und dies war auch mit kaufentscheidend. Selten habe ich bei einer kompakten Kamera so scharfe Bilder gesehen, zumindest bei ISO 80 oder 100. Subjektiv reicht das locker an manch billige DSLR-Einsteigermodelle mit KIT-Objektiven heran. Allerdings ist dieses Plus schnell verbraucht...

Bildrauschen:
Ich werde es nie verstehen, warum die Hersteller uns mit Megapixeln versuchen zu erschlagen! Um das Bildrauschen zu vermindern, hat CANON den Sensor vergrößert. Bloß, dieser Vorteil ist schnell dahin, da sie dem Sensor nun 12 Megapixel verpasst haben. Der Sensor wurde ca. 10% größer, dafür haben sie ca. 25% mehr Pixel darauf gepackt. Bis 100 ISO besticht die CANON Powershot G9  mit sauberen, scharfen und rauschfreien Bildern. 200 ISO sind so lala, alles darüber ist mehr oder weniger unbrauchbar, zumindest für mich.

Autofokus/ Scharfstellung:
Der ist in meinen Augen schlichtweg daneben! Ordentliche Ergebnisse sind hier nur dann zu erziehlen, wenn das Hauptmotiv den größten Teil des Bildausschnitss einnimmt. Befindet sich etwas davor oder dahinter, ist es eine Lotterie, was scharf gestellt wird. Ebenso versagt der Autofokus, zoomt man in das Objekt hinein oder bei bewegten Objekten.
Die Einstellung  auf Spot-Messung bringt einen auch nicht weiter. Man sollte erwarten, dass der Schärfepunkt in dem Kästchen ist. Auch hier weigert sich die Kamera den Punkt scharf zu stellen.
Zwar besteht die Möglichkeit, den Fokus manuell einzustellen, nur ist das über das Display ein mühseliges Unterfangen, am Tage schlicht unmöglich.
Bei der Makro-Fotografie stellt man am Besten eine feste Entfernung ein und stellt dadurch scharf, dass man sich leicht hin und her bewegt.

Bildqualität:
Unter guten Bedingungen, vor allem keine Lichtextreme ist die Bildqualität bei 100 ISO sehr gut. Sind die Lichtbedingungen extremer, z.B. mit sehr hellen Bereichen, gehen hier schnell sämtliche Bildinformationen verloren, damit kommt die Kamera nicht klar.
Auffallend sind manchmal die starken Farbverfälschungen. Da hilft auch kein Weißabgleich.  Ich habe den Eindruck, dass die Kamera mit grau oder gräulichen und grün nicht klar kommt. Insbesondere Grün wird stark hervorgehoben.

Funktionsumfang/ Ausstattung:
Die Kamera besitzt entgegen vielen anderen kompakten Kameras einen Blitzanschluss.
Mit der Brennweite von 7,4 - 44,4mm deckt man die Standard-Situationen ab, dabei ist das Objektiv mit mit 1:2,8 - 4-8 relativ lichtstark.
Die Einstellmöglichkeiten sind immens, das Alles hier aufzuführen sprengt den Rahmen. Blenden-, Zeitautomatik und  Programmautomatik sowie spezielle Automatiken für Kunstlicht, Schnee, Portrait usw. gehören ebenfalls dazu.
Bilder können mit Musik oder Sprache unterlegt, Farben können ausgetauscht oder selektiert werden. In jedem Programm können zusätzlich weitere Einstellungen vorgenommen werden.
Wer Bilder oder Videos für das Web aufnehmen möchte, kann diese gleich klein und optimiert aufnehmen. Andererseits ist es möglich, die Bilder im verlustfreien RAW-Format aufzunehmen.

Apropos Video: Diese Funktion gehört bei kompakten Kameras mittlerweile zum Standard. Hier war ich aber ob der Qualität, insbesondere in der 1024er Auflösung überrascht! Das ist eine Kamera und kein Camcorder ;-)
Die Qualität reicht hier unter bestimmten Bedingungen locker an die günstiger Camcorder heran! Auch stehen Filterfunktionen wie Sepia, Farbaustausch oder -Selektion zur Verfügung. Aufnahmen bis zu einer Stunde oder bis die Karte voll ist, sind hier möglich.

Bedienung:
Urteile können hier nur sehr subjektiv sein. Ich empfinde die Bedienung als sehr einfach und intuitiv, insbesondere ob der vielen Einstellmöglichkeiten. Insbesondere das Einstellrad neben dem Display spielt hier seine Stärken aus. In nullkommanichts sind hier Änderungen an den Einstellungen durchgeführt.

Unterwasserfotografie:
Schon für ca. 200,- Euro bekommt man bei Canon ein Unterwassergehäuse. Nur muss man dann auf einige Funktionen verzichten. Der Weitwinkel-Bildausschnit entspricht in etwa 35mm eines normalen Objektives, viel zu wenig für die Unterwasserfotografie. Diese Ausrüstung taugt bestenfalls für das schnelle und einfache Unterwasser-Erinnerungsfoto. Natürlich kann man z.B. mit Ikelite-Gehäusen, Blitzen, Domports und Objektiven aufrüsten, aber man kommt schnell in finanzielle Bereiche, wo man sich die Frage stellen sollte, ob sich das lohnt.
Ich habe im Netz bis auf einer Ausnahme eines Fotografen nicht ein einziges wirklich scharfes Bild mit der CANON Powershot G9 entdeckt! Betrachtet man Bilder, die mit einer DSLR gemacht wurden sind, sieht man selbst bei kleinen Bildern, was Schärfe bedeuten kann.
Wer bereit ist, vielleicht > 2.000,- Euro für Unterwasserequipment auszugeben, sollte besser über den Einsatz einer günstigen DSLR nachdenken.
Allerdings sind doch hervorragende Ergebnisse zu halbwegs erschwinglichen Preisen zu erziehlen, lest dazu meinen Bericht unter bericht_Unterwasserfotografie mit der Canon G9_64.html

Vor und Nachteile der CANON Powershot G9 im Überblick:

Vorteile:

- Hoher Funktionsumfang auf engstem Raum
- Lichtstarkes Objektiv
- Hohe Bildqualität unter guten Bedingungen
- Hohe Videoqualität
- Schnelle Einschaltzeit
- Kurze Akku-Ladezeit, ca. 1,5 Stunden


Nachteile:

- Hohes Bildrauschen ab ISO 200
- Miserabler Autofokus
- Das Weitwinkel verdient den Namen nicht
- Kurze Akku-Laufzeit, der hält gerade mal für ca. 140 Bilder, je nach dem, was man so mit der Kamera veranstaltet. Ein Zweitakku sollte im Etat vorhanden sein.
- Farbverfälschungen
- Kommt nicht mit starken Kontrasten zurecht, helle Stellen werden matschig
- Hoher Preis


Fazit:
Was spricht also für eine CANON Powershot G9? Wer gehört zur Zielgruppe:

- Wer Wert auf einen hohen Funktionsumfang, Videos für zwischendurch, relativ gute Bildqualität unter guten Bedingungen und unbedingt kleinsten Raum wünscht.
- Hobby-Unterwasserfotografen ohne Ansprüche, die Wert auf eine kostengünstige Lösung legen.
- Wer nicht so sehr auf den Geldbeutel achten muss.


Tipp:
Wer Wert auf eine hohe Qualität der Bilder legt, bei dem die Kamera auch etwas größer sein darf, kommt mit etlichen anderen Produkten billiger weg.
Wer bereit ist, etwa 500,- Euro auszugeben, Wert auf Bildqualität legt, die Kamera etwas größer sein darf und den Spielkram wie Videos, Bildbearbeitung etc. nicht braucht, sollte sich besser eine Einsteiger-DSL zulegen. Selbst Einsteiger DSLR liefern deutlich bessere Ergebnisse als die CANON Powershot G9.

Fazit nach gut 4 Monaten Einsatz:
Ich werde die Kamera wieder verkaufen, für mich ein Fehlkauf!
Die vielen Funktionen auf engem Raum und die relativ gute Video-Qualität können die Nachteile für mich nicht wettmachen, als da wären:

- Die Farbverfälschungen
- ISO 100 reicht für viele Situationen nicht, aber dann rauschst
- Völliger Informationsverlust heller Bereiche bei hohem Kontrast
- Miserabler Autofokus


Mir ist dafür der Preis zu hoch, das Preis- Qualitätsverhältnis bewerte ich als mangelhaft.

Hier vier Vergleichsbilder, unbearbeitet, nicht geschärft:

ISO 100
ISO 100

ISO 200
ISO 400

ISO 400
Iso 400

ISO 800
ISO 800

 

Bisherige Kommentare:        Kommentar schreiben»