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Tauchen - Sparte

Eingetragen / aktualisiert am 22.10.2006

Co-Autor: Annerose Mildenberger

Wo hat man sonst die Gelegenheit mal auf 70m zu gehen, wo die meisten Druckkammern mit Sporttauchern nicht so tief gehen wollen. Wie wir ja wissen, ist die Einwirkung des Stickstoffs im Wasser stärker als unter Luft. Warum, dies ist noch nicht hinreichend erklärt. Ich (Michael) hatte ja schon einige Fahrten unternommen, auch in Berlin, wo auch Naß gefahren wurde(die letzten 10m), allerdings nur bis 50m und im warmen Wasser. Bisher wollte sich eine rechte Wirkung nie so recht einstellen. Bei der Fa. Haux sind die Bedingungen nicht so optimal, was die Wirkung eines Tiefenrauschs noch begünstigt.
Diesmal also das ganze mit Trockigerödel und im kalten Wasser (ca. 8 Grad).

Dieses Seminar wird ein- bis zweimal im Jahr bei der Fa. Haux in Karlsbad-Ittersbach zusammen mit dem hessischen Tauchsportverband durchgeführt. Wir nahmen am 4. und 5.4.2003 teil.

Ausrichter: WSV Großkrotzenburg e.V. - Tauchsportabteilung NEPTUN

Seminarleiter: Frank Ostheimer

Kosten: 160 Euro

Teilnehmerzahl: max. 16

Voraussetzung: CMAS **, mit mind. 30 TG in den letzten 12 Monaten (Nachweis durch Logbuch), Tauchtauglichkeit nicht älter als 12 Monate (unabhängig vom Alter)

Die Voraussetzungen und eine gewisse Erfahrung auch mit Deko-TG und über die Ausbildung hinausgehendes Wissen ist meiner Meinung zum Verständnis der Theorie und sicheren Durchführung der TG erforderlich.

Das Seminar erstreckt sich über Freitagnachmittag und Teile des Samstags.

Wir kamen Freitagmittag in Karlsbad-Ittersbach an und erhielten eine kleine Einführung in den Seminarablauf. Anschließend hielt der technische Leiter der Firma Haux (selbst seit Jahren Taucher und Deko-Guru) einen sehr informativen und fundierten Vortrag über die Grundlagen der Atmung unter Überdruck,das Verhalten von Gasen unter Überdruck sowie den Ablauf des simulierten Tauchgangs auf 70 m.

Der Tauchgang und auch andere TG`s wurden mit Hilfe eines Dekoplanungsprogrammes durchgespielt.Dabei wurde auf die unterschiedlichen Auf- und Entsättigungen eingegangen. Anschließend wurde der Ablauf der Druckkammerfahrt erläutert und wurden die nötigen Sicherheitshinweise gegeben. Im Anschluß gab es interessante Informationen zu Unfällen in Druckkammern und der größten Gefahr --- nämlich der eines Druckkammerbrandes bei O2-Atmung und dessen Auslöser. Als man hörte, durch was die Brände ausgelöst wurden, konnte man nur den Kopf schütteln (z.B. Feuerzeug). Nicht ganz ermunternd waren die Bilder von einer ausgebrannten Druckkammer. Ganz genau wurde auf die Sauerstoffdekompression eingegangen. Fragen konnten gestellt werden und wurden vom Referenten souverän beantwortet.

Nach dieser Theorie konnten wir uns verschiedene Druckkammern bei der Fertigung und Reparatur anschauen. Wir waren sehr erstaunt, daß so viel in Handarbeit gemacht wurde. Zu Preisen, was diese Kammern kosten, gab`s leider keine Info`s :-)

Anschließend wurden die Gruppen für die Druckkammerfahrten während des nächsten Tages eingeteilt. Persönliche Wünsche bezüglich der Gruppenzusammenstellung und Grundzeit wurden berücksichtigt. Man konnte zwischen 15 und 20 Minuten Grundzeit auf 70 m wählen. Die 15 Minuten wurden allerdings hauptsächlich von den Naß- und HT-Tauchern gewählt, da die gesamte Zeit mit 70 Minuten doch deutlich kürzer war. Die meisten entschieden sich für 20 Minuten, was einer Gesamtzeit von ca. 90 Minuten entsprach (Auch wir). Da zum Vergleich (wie wir im Sporttaucher gelesen hatten) kein Trimix zur Verfügung stand, fragten wir an, ob wir unser eigenes Gemisch mitbringen konnten. Das durften wir auch. Wir wurden jedoch gebeten, pro Person nicht länger als 1 Minute daraus zu atmen, wegen der veränderten Dekompression.

Anschließend gab es einen Vortrag eines GTÜM-Arztes über Saurstoffgiftigkeit und Stickstoffnarkose. Dieser Vortrag enthielt für mich nur wenig Neues. Auch hat mir der Aufbau nicht so ganz gut gefallen. Bei einigen Dingen sprach doch der Mediziner und die Folien hätten meiner Meinung nach etwas verständlicher sein können (mit weniger Fremdwörtern). Vielleicht spricht da ja auch die Lehrerin für Krankenpflege? :-) Aber wenn ich mir da einige ** von unserm Verein mit deutlich weniger medizinischem Hintergrundwissen vorstelle, hätten sie gewisse Probleme gehabt. Der Vortrag wurde an Hand eines roten Fadens gut durchgezogen. Bei manchen Fragen hätte ich mir etwas mehr Abschweifung gewünscht :-)

Abends übernachteten dann einige Teilnehmer im recht teuren "Landhotel Adler" und man ging zumindest gemeinsam essen.

Samstag war dann um 8 Uhr Treffen angesagt. Eine Gruppe bediente unter Aufsicht die Druckkammer, eine richtete ihre Sachen, die andere war in der Druckkammer. War schon interessant, mal unter Aufsicht die Kammer zu bedienen und die anderen Gruppen auf Tiefe zu beobachten.

Um in die Druckkammer zu kommen, mußte man durch einen engen Einstieg krabbeln, was mit Trocki gar nicht so einfach war :-) Wir gaben unser Tauchzeug rein und machten uns größtenteils fertig. Der Abstieg auf Tiefe dauerte ca. sieben Minuten. Während dieser Zeit war man fast nur mit Druckausgleich beschäftigt (unter Luft viel mehr, als wenn man im Wasser taucht).
Während des Abstiegs wurde es recht warm (ca.25 Grad). Da sich die Luft allmählich abkühlte, wurde es beim Hochfahren ziemlich kalt, die Temperatur sank dabei bis auf nahe Null Grad! Die Wassertemperatur in dem kleinen 2m tiefen Becken war um die 8 Grad. Wir gingen in 2- 3 er Gruppen ins Wasser, so dass jede Gruppe ca. 7 Minuten Zeit im Wasser hatte.
Mehr Taucher paßten eigentlich nicht rein.

Ein paar Erfahrungen/Meinungen/Beobachtungen von Teilnehmern:

Michael: Wir waren 12 Personen, alle tiefenerfahren mit zig Tauchgängen >50m teilw. bis 90m. Am Vorabend diskutierten wir mit dem Doc über die Auswirkungen von Alkohol und Stickstoff unter erhöhtem Druck.
Gern, da auch gerade das Bier schmeckte, erklärte ich mich für einen Test bereit ;-) Ich konsumierte an diesem Vorabend der Fahrt ca. 3l Bier und hatte ca. 6 Stunden Schlaf. Mit für mich drastischen Folgen ;-)))

ALLE hatten einen deftigen Tiefenrausch! Alle glaubten, voll dabei zu sein, aber die Videos sprachen Bände ;-) Nach 10 Minuten brach bei jeder Gruppe das Chaos aus. Bei der Besprechung sagten alle einhellig, dass ihnen die Hälfte der Wahrnehmung verloren gegangen ist, dies erkannten sie allerdings erst später. Ich hielt mich, wie gesagt, bisher für Tiefenrauschresistent... Die ersten zehn Minuten waren tatsächlich, trotz Alk völlig OK, dann ging`s los...

Ich hatte eine zehn Liter-Pulle dabei, Dank Aircon-Ventil ;-) nur 60 Bar auf der Pulle. Ich dachte, das reicht für ein paar Minuten. Hätte es auch, nur, plötzlich war die Pulle leer, ich dachte sch....e, kann doch nicht sein, noch`n Zug, wieder nix. Ich war sauer ohne Ende auf meine Pulle, tauche auf und klettere hinaus. Das Zeichen, daß ich eh hätte raus sein müssen, hatte ich nicht wahr genommen. Ich habe niemanden in der Druckkammer wahr genommen. Ich war in dem Glauben, noch Tauchen zu dürfen und suchte wie ein Verückter nach einer Pulle, um wieder reingehen zu dürfen. Ich habe mich aufgeführt, wie ein Idiot.
Tobend, maulend, stolpernd und lallend. Bis dato war ich in dem Glauben, völlig klar zu sein! Ich fand dann auch eine Flasche und sprang wieder ins Wasser. Da ging dann richtig die Post ab. Ich fühlte mich, wie nach einer halben Kiste Bier. Schwindel, Nebel, völlige Eintrübung des Bewußtseins. Da erst merkte ich, daß ich völlig zu war und sah zu, daß ich aus dem Wasser kam. Erst da setzte mein Notfallmanagement ein!

Bei einem echten TG hätte ich wahrscheinlich nicht mehr die Zeit gehabt, eine sichere Tiefe aufzusuchen und wäre hops gegangen.
Mein Fazit: Nichts gegen einen kurzen Abstieg...

Aber da wo Entscheidungen gefragt sind, ein längerer Aufenthalt eingeplant ist, sollte ab ca. 40m ein entsprechendes Gemisch verwandt werden.

Die ersten Einschränkungen der Wahrnehmung werden nicht bemerkt.
Bei der Wahrnehmung von Symptomen bleiben vielleicht noch zwei Minuten. In diesem Zeitraum sollte eine "sichere" Tiefe aufgesucht werden können. Ach ja, von wegen Alkohol ;-) Tauchen und Alkohol vertragen sich wirklich nicht ;-)

Annerose:
Ich war bei der Druckkammerfahrt in Michael`s Gruppe. Zu meiner allgemeinen Verfassung an dem Tag muß ich sagen, dass ich ziemlich unausgeschlafen war. Von vorherigen tieferen TG`s weiß ich genau, daß dies ein Faktor ist, der bei mir die Tiefenrauschsymptomatik früher einsetzen lässt.

Die Symptome des Tiefenrausches setzten bei mir ziemlich schlagartig
ein und ich fühlte mich ziemlich weggetreten. (schon außerhalb des Wassers) Meine Wahrnehmung war ziemlich eingeschränkt. Ich konnte aber noch mit meinem Mann diskutieren :-) Obwohl ich es früher als sonst gesteckt habe :-) Was ich genau merkte, daß ich die Situation durch gewisse Automatismen (die durch viele TG`s sich entwickelt haben) unter Kontrolle hatte. Ich habe den TG auf Grund eines gewissen Chaos UW abgebrochen und habe mich kurz draußen hingesetzt. (Ähem, dies ist Anneroses Erinnerung, uns stellte es etwas anders dar ;-) Denn da war noch kein Chaos;-)
Michael). Da wir uns zum Vergleich eine Pulle Trimix mitgenommen haben, habe ich dann Trimix geatmet. Und siehe, da wurde ich wieder klar (Tiefe mit Trimix entsprach etwa 53m). Ich konnte also zu meinem großen Vergnügen Michael beobachten :-) Er kam wütend aus dem Wasser, schimpfte auf die leere Pulle, atmete ein bisschen Trimix, schimpfte, atmete Trimix....
Dazu eine göttliche Mimik (:-))) und meinte immer er wäre ganz klar. Dann schnappte er sich eine andere Flasche und tauchte wieder ab.
Erst als er das zweite Mal hochkam, meinte er, bin ich dicht....

Michael und mein Mann haben beide auch aus der Trimixflasche geatmet und spürten keinen Unterschied. Ich spekuliere mal :-)


Einen TG in dieser Tiefe mit dieser Grundzeit hätte ich schon viel früher abgebrochen bzw. nur mit Trimix gemacht.

Weitere Aspekte, die wir von dem Seminar für uns mitnehmen:


Wir könnten hier noch seitenweise von Beobachtungen unserer Gruppe und der anderen Gruppen schreiben, aber dies soll ja kein Roman werden....
:-))

Nach der Grundzeit ging`s wieder nach oben und wir tauschten unsere ersten Erfahrungen aus. Es war schon recht schattig in der feuchten Kammer und man war froh um seinen Trocki bzw. die HT-Taucher um die Kleider zum Umziehen. Wir beobachteten immer wieder unsere im Wassereimer liegenden Computer und verglichen die Zeiten des Computers mit der ausgerechneten Zeit mit O2. Die O2 Deko wurde ab 12 m mit Masken durchgeführt und zog sich schon recht lange hin :-(( Ab 3m gingen die Computer in den Schmollmodus und hörten noch lange nach dem TG nicht auf zu piepsen. Da der Compi am nächsten Tag immer noch schmollte, mußten wir eben ohne ihn im See tauchen gehen... :-)

Nach Beendigung der Kammerfahrten, gab`s eine kleine Nachbesprechung und gegen 14.30 Uhr war das Seminar beendet.

Was uns gut gefallen hat: - Einen Tiefenrausch selbst voll zu erleben.
Wir wissen jetzt wieder etwas mehr, auf was wir achten müssen, wenn wir uns jenseits der 40 m herumtreiben :-) und dass wir sehr in uns hineinhören sollten.


Übrigens es gibt irgendwann ein Video: Angebote für Michaels Mimik auf Video werden angenommen :-))))))))))))

Was uns nicht gefallen hat: - In der Ausschreibung stand von Mischgastauchen bzw. alternative Atemgase. Dazu kam eigentlich nix. Wäre ein Bereich, der unserer Meinung unbedingt dazu gehört hätte. Denn wenn ich den Tauchern den Tiefenrausch zeige, sollten auch Alternativen etwas ausführlicher aufgezeigt werden.

Hier noch ein paar Fotos der Aktion:









 

70m Druckkammerfahrt